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Home » Blog » Und dann kam Liselle!

Und dann kam Liselle!

Man kann auch ohne Hund leben – aber es lohnt sich nicht. Nach ein paar hundelosen Wochen haben wir uns erneut auf die Suche gemacht. Ausschau haltend nach einer erwachsenen Beagle-Dame aus dem Tierschutz sind wir dann auf sie gestoßen: Liselle!

7 Jahre alt. Vermittelt über eine Sauerländer Tierschutzorganisation, noch befindlich im Partnertierheim in Ungarn. Von ihren ursprünglichen Menschen einmal in andere Hände weitergeben, „weil sie immer weglief“, dann offenbar an der Kette gelandet und schließlich im Tierheim. Um die besorgt schauende kleine Dame haben wir uns beworben. Hier kommt das Tagebuch ihrer Adoption – es wird Stück für Stück ergänzt.

„Bestellung aus dem Internet“?

Dass wir nicht wissen, wer da kommt? Wir sind selbst in uns gegangen – und haben uns trotzdem dafür entschieden. Denn:

  • Unsere Erfahrung ist: Natürlich ist es für alle Beteiligten ideal, sich vor der Adoption schon kennenlernen zu dürfen. Aber: Wie der adoptierte Vierbeiner „wirklich“ ist, das lernen wir sowieso erst in den Wochen und Monaten nach dem Einzug kennen. Nämlich dann, wenn er bei uns zuhause etwas zur Ruhe gekommen ist und wir alle miteinander vertrauter sind.
  • Bei unseren bisherigen Nicht-Auslandstierschutz-Adoptionen sind wir nicht viel anders an die Sache herangegangen als jetzt. Wir haben uns nicht x Hunde vorher angeschaut und dann nach vermeintlicher „Sympathie“ entschieden. Sondern wir haben uns vorher anhand der Beschreibung im Internet und nach dem Gespräch mit der jeweiligen Tierschutzorga gut überlegt, ob das wohl passen könnte, und haben uns dann ans Abenteuer Kennenlernen gemacht. Umentschieden haben wir uns tatsächlich nie mehr.

Risiko Transport?

Davor hatten und haben wir den größten Respekt: Wer nach Deutschland vermittelt wird, der fährt vorher in einem Transporter mit zweidutzend anderen Hunden einen ganzen Tag lang durch halb Europa.

Das Risiko eines Transporttraumas war uns bewusst. Denn so fürsorglich, best organisiert und gut betreut auch alles vonstattengeht: Natürlich ist es den Hunden nicht vorab erklärbar, dass jetzt noch eine Strapaze kommt, aber ab dann alles gut wird und ein neues Leben beginnt. Für sie sind es viele Stunden nicht Wegkönnen aus einer Transportbox, mit vielen Hunden rundherum.

Es ist großartig und gradezu erstaunlich, dass viele Hunde dies gut überstehen. Allerdings ist es nicht selbstverständlich, dass der Hund der in den Transporter einteigt, noch der gleiche ist, der wieder aussteigt. Zumindest für ein paar Wochen nicht. Aber welche Chance haben die Hunde in ihrem Ursprungsland? Ziemlich wenig – selbst, wenn die ausgewählte Tierschutzorga nicht „nur rüberholt“, sondern auch gute Arbeit vor Ort macht (auch das ist für uns ein Auswahlkriterium). Also, wagen wir es.

Und dann ist sie da!

Was für ein Moment: Mit klopfenden Herzen, gemeinsam mit den anderen künftigen Hunde-Eltern, am späten Abend des 03. Mai 2026 vor dem Tierschutzhof stehen und sehen, wie der Transporter ankommt. Wir dürfen rein. Und dann ist sie da: Liselle! Natürlich zunächst ein Bündelchen aus Stress und Aufregung. Lösen direkt nach dem Aussteigen mag sie sich vor lauter Anspannung zunächst nicht. Nach dem Anziehen des Sicherheitsgeschirrs verlassen wir den Tierschutzhof. Spannender Moment: Wie kommt sie damit klar, wieder in ein Auto einzusteigen? Die erste Erleichterung: Zumindest am Ankunftsabend kein Problem. Noch einmal 45 Minuten Fahrt, dann sind wir zuhause. Nächste große Erleichterung (vor allem für sie): Im Garten wird sofort Pipi gemacht. Appetit hat sie auch. Die Wohnung wird erkundet. Und sie kann in der ersten Nacht sogar ein paar Stunden schlafen (und das zwischen uns im Bett). Willkommen, Liselle! Das Abenteuer Zusammenwachsen kann beginnen.

Drei – drei – drei

Dass die Tierschutzorga vorab diese Bild über die Adoptanten-WhatsApp-Gruppe geschickt hat, fanden wir richtig gut.

Denn Eingewöhnung braucht Zeit. Und Kraft. Und Geduld. Gilt übrigens für jede Hunde-Adoption, finden wir. Auch, wenn es ein Welpe vom Züchter ist. Im Moment des Umsetzens wird dem Hund für einen Moment der Boden unter den Füßen weggezogen. Selbst, wenn er es vorher nicht gut hatte und jetzt alles viel besser ist: Das Vertraute und Altbekannte ist weg. Alles, aber auch wirklich alles, ist neu.

Gilt übrigens auch für uns Zweibeiner, denn auch für uns ist alles neu und das Gehirn rattert: Machen wir alles richtig? Was braucht sie? Wie wird sie sein, wenn die erste Aufregung abgeklungen ist? Welche Verhaltensbesonderheiten bringt sie mit? Hat sie Schlimmes erfahren, das Spuren hinterlassen hat? Werden wir miteinander glücklich sein (natürlich werden wir das, aber am Anfang ist ja nichts selbstverständlich…)? Und immer dann, wenn es in uns seufzte „Die ersten Tage sind so ungewohnt und anstrengend“, dann haben wir uns sofort etwas beschämt gefragt „Wenn es für uns schon anstrengend ist, wie mag es dann erst für Liselle sein?“

Diese Zeilen sind etwas mehr als vier Wochen nach Liselles Einzug entstanden. Und ja, die Dreierregel passt bislang ziemlich gut:

  • Die ersten drei Tage zur ersten Groborientierung: Wo gibt’s Essen, Schlafen, sich Lösen, wie sieht es im neuen Zuhause aus, wer wohnt dort noch? Für ein richtiges Runterfahren ist dieser Zeitraum natürlich noch viel zu kurz. Denn alles ist noch so neu, so aufregend. „Sicher, satt, geborgen“: Neben 3-3-3 noch ein Dreiklang, der für die ersten Tage zählt (danke an Maria Hense dafür!). Dass sich Liselle so fühlen kann, ist erstmal unser einziges Ziel, sonst nichts.

  • Die ersten drei bis vier Wochen zum ersten Zurruhekommen, zum Kennenlernen des neuen Alltags, zur ersten Gewöhnung und zum Beginn des Zusammenwachsen. Es fühlt sich nach dieser Zeit schon alles viel leichter an und viel gewohnter. Für uns und hoffentlich auch für Liselle. Liselle weiß jetzt, wie unsere Tagesabläufe sind. Dass es normal ist, dass nicht immer alle zuhause sind (ganz allein bleiben muss sie noch nicht). Dass die Hunde in der Nachbarschaft keine Monster sind (offenbar eine ihrer größten Sorgen). Wie die Umgebung im Umfeld des Hauses aussieht (andere Ausflüge gab’s noch nicht). Und dass man immer besser auch von selbst zur Ruhe kommen kann, ohne sich vorher in Fleece-Decken und Kissen verbeißen oder auf ihnen aufreiten zu müssen. Und auch wir wissen mehr und haben einen Eindruck davon, wie Liselle tickt. Dass bei Aufregung besser nichts Weiches in der Nähe sein sollte, weil Reißen und Aufreiten die Aufregung noch verschlimmert (im Moment sind kuschelige Fleece-Decken und Sofakissen vorübergehend aus unserem Leben verschwunden). Dass sie Zeit braucht bei Hundebegegnungen, aber dann eine ganz Nette ist. Dass sie Menschen mag. Dass sie absolut stubenrein ist. Dass der Garten zum Pipimachen ungern angenommen wird – außer abends vor dem Insbettgehen, wenn es dunkel ist. Das ist alles schon ziemlich gut.

Fortsetzung folgt…

6. Juni 2026 Christina Sondermann
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