Hier zeigt Clickertraining, was es "drauf hat". Es geht um Wichtiges - und (für viele Hund-Mensch-Teams) auch Schwieriges! Krallenschneiden, Zecken entfernen, Zähneputzen und Co. Ihnen wird schon ganz anders, wenn Sie diese Worte nur lesen? Sie möchten, dass Ihr Hund diese kleinen notwendigen Prozeduren der Körperpflege und Gesundheitsvorsorge künftig entspannt über sich ergehen lässt? Das alles ist machbar - mit Clickertraining!

Das Prinzip dabei: Durch

wird es möglich, auch größere Herausforderungen nicht nur zu meistern, sondern sogar zu einer angenehmen, freiwillig angebotenen Sache zu machen. Das erspart den beteiligten Zwei- und Vierbeinern viel Stress und erleichtert ihr Leben - und zeigt einmal mehr die Potenziale "positiven" Trainings!

Sie können gar nicht glauben, dass Ihr Fido, dessen empfindliche, aber schnellwüchsige Krallen Sie bislang nur mit tierärztlicher Unterstützung und unter großen Protesten bearbeiten konnten, Ihnen nach ein paar Clickersitzungen die Pfote freiwillig zur Pediküre reicht und Ihnen dann auch noch seine Zähne zeigt, damit Sie sie putzen können?  Dann kommen Sie kurz mit auf einen kleinen Ausflug zu "youtube". Das, was Sie hier im Video sehen, wird Sie garantiert begeistern - und hoffentlich überzeugen:

 

"Orangutan Training at the Fort Wayne Zoo"
Hier sehen Sie zwar nicht, WIE es trainiert wurde (und Sie hören auch keinen Clicker), aber Sie sehen die beeindruckenden Ergebnisse: Orang Utans, die mit Begeisterung ihre Zähne zum Putzen zeigen, ihr Ohr zum Fiebermessen gegen das Gitter drücken oder Ihren Pflegern freiwillig einen Arm zur Untersuchung (und späteren Blutabnahme) in einer speziellen Vorrichtung entgegen strecken. Oder hier:

"Clicker Target Training Bear"
Genau so beeindruckendes "Endergebnis": Dieser Bär hat gelernt, zunächst einen Stab (die Zahnbürste) zu berühren, dann das Maul zu öffnen und sich die Zähne putzen zu lassen. Anstelle des Clickers wird hier ein Markerwort eingesetzt: "Good!".

Und was in den Zoos dieser Welt als "Medical Training" mit Affen, Bären, Elefanten oder Krokodilen längst Standard ist (und den beteiligten Menschen und Tieren viel Stress und so manche Narkose erspart), das werden Sie und Ihr Fido garantiert auch schaffen! Hier kommen ein paar Tipps!

 

Ein Tipp VORAB für alle Übungen

Noch ein paar Tipps, bevor Sie sich auf Krallenscheren, Zahnbürsten und Fieberthermometer stürzen:

 

DOKTORSPIELE: UNTERSUCHUNGEN ÜBEN

Eine gute Vorbereitung für alle möglichen Prozeduren der Körperpflege und medizinischen Behandlung: Ihr Hund lässt es zu, dass Sie ihn an verschiedensten Körperstellen berühren, sie prüfend betrachten und untersuchen. Ihr Übungsziel ist das, was im Trainer-Jargon "Dead-Man-Behaviour" (wörtlich übersetzt: Totmann-Verhalten) oder auch "Duldungsübung" heißt: Der Hund verharrt bewegungslos und ruhig, solange Sie zugange sind. Und: Er fühlt sich gut dabei!

  Die Vorbereitungen

Das sind die optimalen Bedingungen für Ihren Einstieg:

  Es wird Hand angelegt

Fangen Sie mit Ihren Untersuchungen an, z.B.

  Tipps fürs gute Gelingen

 

DIe STEIGERUNG: Zeckenzange, Spritze, Zahnbürste und Co.

Sie und Ihr Hund sind schon richtig routiniert darin, Untersuchungen an den verschiedensten Körperteilen abzuwickeln? Ihr Hund kennt das Prozedere und hält geduldig still, während Sie ihn "durchchecken"? Eine gute Grundlage dafür, dass künftig auch Zeckenzange, Zahnbürsten und Co. entspannt zum Einsatz kommen können. Das Trainingsprinzip ist exakt das Gleiche wie oben unter "Doktorspiele" beschrieben - nur, dass jetzt noch die "Instrumente" ins Spiel kommen. Hier ein paar Beispiele für den Schritt-für-Schritt-Aufbau. Noch ein Tipp: Lassen Sie sich Zeit - Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut! Planen Sie für jeden der Schritte genügend Wiederholungen ein.

  ...zum Beispiel: Spritze und Zeckenzange

So könnten die Einzelschritte aussehen:

Sie haben das geschafft? Prima - die Chancen sind gut, dass die nächste Zecke oder der nächste Impftermin deutlich entspannter verlaufen!

  ... zum Beispiel: die Zahnbürste

Ihr Zubehör: Eine spezielle Hundezahnpasta (sie ist meist für die Hunde sehr "lecker" und angenehm) und am besten auch eine spezielle Hundezahnbürste (möglich sind auch weiche Kinderzahnbürsten); auch Zahnbürsten zum "über den Finger Ziehen" sind praktisch und hilfreich. Ganze Zubehör-Sets erhalten Sie beispielsweise bei Ihrem Tierarzt. Und so geht's:

  ... zum Beispiel: das Blutabnehmen

Hier sind wir wieder bei www.youtube.de fündig geworden. Schauen Sie mal, wie gut Katze ZsaZsi ihre Sache macht. Die Einzelschritte, die Sie im Video sehen:

 

Spezialdisziplin Krallenschneiden

Unser "Testobjekt" fürs Krallenschneiden: SPASS-MIT-HUND-Beagledame Asta. Als ehemaliger Laborbeagle hatte sie eine regelrechte Phobie gegen jegliche im weitesten Sinne medizinische Instrumente entwickelt. Ob Krallenschere, Zeckenzange oder Fieberthermometer: in Verbindung mit untersuchenden, konzentrierten Blicken auf den Hundekörper war die Panikattacke vorprogrammiert - ob zuhause oder auf dem Tierarzt-Behandlungstisch...

  So war's beim Test-Beagle

So war's vorher: Krallenschneiden geht nur mit fachkundiger Unterstützung und ruft allergrößtes Unbehagen und schrille Entsetzensschreie hervor. Besonders an die überaus empfindlichen Daumenkrallen trauen wir uns gar nicht ran. Zu allem Übel wachsen Astas Krallen sehr schnell (sie ist viel auf Waldboden und unbefestigten Wegen unterwegs), das Schneiden ist nicht vermeidbar.

Ein paar Trainingseinheiten später: Der Anblick der Krallenschere lässt Astas Augen leuchten – hier gibt’s was zu verdienen. Asta legt ihre Pfoten freiwillig in die Hand, hält still und lässt sich Stück für Stück ihre Nägel kürzen. Auch wenn es ihr ab und an noch etwas unheimlich zu sein scheint, ist sie mit viel Engagement dabei.

Und wie sieht der Weg aus, der zum Ziel führt?

  Die Vorbereitungen

Es ist hilfreich, wenn Ihr Hund bereits das Pfötchen Geben beherrscht. Wie Sie das einüben können, finden Sie in unserer Clicker-Welt unter "Manege frei im Circus Click & Trick".

Und so sehen die Übungsschritte aus

  Schritt 1: Krallenschere ist toll!

Hund wird für jedes Beschnüffeln und Anstupsen der entgegengestreckten Krallenschere fürstlich bestärkt, anfangs sogar für jede kleine Annäherung und jeden Blick in Richtung Schere. Ziel: "Schere - find ich toll!" Ist diese Hürde gemeistert, gibt’s C & B dafür, dass Hund sich mit der Krallenschere am Körper und dann an der Pfote (die dafür noch Bodenhaftung haben darf) berühren lässt. Sie sollten dabei immer nur so kurz an einer Stelle des Körpers verweilen, wie Ihr Hund auch stillhält! Sie können dabei so anfangen, dass Sie Ihren Hund zunächst mit der Krallenschere in der Hand an Körper streicheln

  Schritt 2: Die Pfote ruhig halten

Hunde, die das Pfötchen Geben gelernt haben, reichen zwar mit Begeisterung die Hand, ziehen sie häufig aber mit ebensolcher Begeisterung schnell wieder zurück. Deshalb ist es ganz praktisch, als Zwischenschritt das ruhige Halten der Pfote in der Hand zu bestärken. Nehmen wir an, Sie wissen, dass Ihr Hund beim Pfötchen Geben seine Pfote für zwei Sekunden in Ihrer Hand liegen lässt, dann clicken Sie auch hier zunächst in diesem Zeitraum. Ganz allmählich und Sekunde für Sekunde steigern Sie dann die Dauer bis zum Click, der Ihrem Hund ja signalisiert, dass er die Pfote nun zurück ziehen darf und seine Belohnung bekommt. Sie können dann ruhig auch anfangen, die in Ihrer Hand liegende Pfote zu berühren oder mit Ihrer freien Hand darüber zu streichen, damit Ihr Hund sich daran gewöhnt, dass Sie an seinen Pfoten „herummanipulieren“. Außerdem sollten Sie Ihren Hund damit vertraut machen, dass Sie seine Pfote locker festhalten (also Ihre Hand, in der die Pfote liegt, leicht um die Pfote schließen), als Absicherung, dass er sie später nicht doch plötzlich zurück zieht und sich wehtut, während Sie gerade an seiner Kralle schneiden.

  Krallenschere und Pfote zusammen bringen:

Ihr Hund hat die Krallenschere schätzen gelernt und hat gelernt, die Pfote so lange in Ihrer Hand liegen zu lassen, bis dass der erlösende "Click" kommt. Dann geht's jetzt weiter: In der einen Hand liegt die Pfote. Mit der anderen Hand greifen Sie nach der Krallenschere. C & B bereits dafür, dass Ihr Hund seine Pfote in dieser Situation nicht zurück zieht. Sie steigern wieder Schritt für Schritt die Anforderungen: C & B dafür, dass die Krallenschere Pfotenberührung hat und Ihr Hund still hält. C & B dafür, dass Ihr Hund still hält, während Sie ihm mit der Krallenschere über  seine Pfote streichen.

  Die Krallenschere öffnet sich

Nun kommt allmählich Bewegung in die Krallenschere. In Krallennähe (die Pfote liegt natürlich in Ihrer Hand) öffnen und schließen Sie die Schere. C & B, wenn Ihr Hund still hält. In einem nächsten Schritt legen Sie die geöffnete Schere um die Kralle. C & B. Steigern Sie allmählich die Dauer bis zum nächsten Click und legen Sie die Schere vor dem Click auch mal um eine zweite oder eine dritte Kralle. Dabei wird noch kein Stück der Kralle abgeknippst! Einige Hundebesitzer nehmen - vom Hund unbemerkt - als Zwischenschritt auch einen Zahnstocher oder Ähnliches in die Hand und knipsen diesen in der Hand mit der Pfote ab. Dabei geht es darum, dass sich der Hund an das "Knips-Geräusch" gewöhnt.

  Es darf geschnitten werden

Jetzt geht’s ans Eingemachte. Aber stopp: Geschnitten wird noch nicht gleich in ganzer Länge. Wir fangen an, zum Training ganz winzige, milimeterkleine Stückchen abzuschneiden – eher ein Raspeln als ein Knipsen. Dabei unbedingt darauf achten, dass der Click nicht genau gleichzeitig mit dem Abknipsen der Kralle erfolgt, sondern wirklich erst, wenn die Schere wieder geöffnet ist! Weil der Click die Übung beendet, besteht sonst die Gefahr, dass der Hund seine Pfote schnell zurück zieht und in der Schere hängen bleibt. Und: Denken Sie daran, nicht zu viel der Kralle abschneiden, wenn Ihre abgeknipsten Krallenstücke allmählich größer werden. Achten Sie darauf, niemals die Blutgefäße zu verletzten, die bei hellen Krallen von außen gut sichtbar sind, bei schwarzen Krallen jedoch häufig kaum erkennbar sind. Im Zweifelsfall fragen Sie lieber Ihren Tierarzt, wie weit Sie gehen dürfen.

 

Zusatz-Tipps gegen Tierarzt-Phobie

Gehört Ihr Hund auch zu denen, die bereits bei der Abfahrt zum Tierarzt genau wissen, wo es hingeht? Die bereits bitternd im Auto sitzen, noch ehe Sie die Praxis erreicht haben? Die kaum freiwillig dazu zu bewegen sind, die Praxis zu betreten? Oder gehören Sie zu den vorausschauenden Hundebesitzern, die solchen Tierarzt-Phobien vorbeugen möchten? Die mit dem neuen Hund erstmals zum Tierarzt gehen oder mit dem "alten" Hund den Tierarzt wechseln? In beiden Fällen können Ihnen - ergänzend zu Ihrem "Medical-Training" mit dem Clicker - die folgenden Tipps helfen:

  Mit Futter gegen die Angst

"Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck!" Das sollte Ihr Motto sein, wenn Sie mit Ihrem Hund erstmalig eine neue Tierarztpraxis besuchen. Und deshalb sollten Sie mit Ihrem Besuch dort möglichst nicht auf den "Ernstfall" warten. Fragen Sie Ihren Tierarzt, ob Sie außer der Reihe kommen dürfen - vielleicht kurz vor oder kurz nach der offiziellen Sprechzeit oder einfach am Rande des normalen Betriebs. Ihr einziges Ziel beim Besuch: Ihren Hund mit einer Festmahlzeit zu überraschen! Rüsten Sie sich dafür mit etwas ganz Besonderem aus - einer kleinen Schale Hunde- oder Katzenfeuchtfutter oder einer Hand voll Fleischwurst, zum Beispiel. Sie gehen mit Ihrem Hund in die Praxis, verabreichen ihm den Snack, lassen Ihren erstaunten Hund auffressen und gehen wieder nach Hause. Je öfter Sie das (natürlich, ohne den Praxisbetrieb zu stören) tun können, umso besser! Und wenn Sie das nicht nur im Wartezimmer, sondern auch einmal im Behandlungsraum - und im Idealfall sogar auf dem Behandlungstisch - tun dürfen: optimal! Ihr Hund lernt dadurch: "Praxis ist toll!" Die Chancen sind gut, dass er künftig frei von Unbehagen mit Ihnen zum Tierarzt geht. Auch bei Ihren künftigen Besuchen beim Tierarzt (den "Ernstfällen") sorgen Sie dafür, dass der Praxisaufenthalt immer "lecker" ist und rüsten sich mit besonders gutem Futter aus. Für Ihren Hund sollten möglichst immer die positiven Eindrücke überwiegen!

Genau so gehen Sie vor, wenn Ihr Hund die Praxis bereits kennt - und fürchtet. Sie müssen dann im Regelfall nur in kleineren Schritten denken und handeln - und noch attraktivere "Gegengewichte" gegen die Angst setzen. Planen Sie deshalb wenn möglich von vornherein mehrere "Fress-Besuche" ein. Die ersten Überraschungsmahlzeiten müssen Sie noch nicht einmal in der Praxis servieren. Lassen Sie Ihren Hund auf dem Parkplatz oder direkt vor der Tür fressen - und dann geht's wieder nach Hause. Tasten Sie sich Besuch für Besuch weiter in die Praxis vor - und lassen Sie Ihren Hund zum Beispiel im Flur und im Wartezimmer fressen, ehe Sie wieder den Rückzug antreten (und zwar unbedingt, noch ehe die Angst einsetzt!). Ihr Tierarzt - dessen Einverständnis für Ihr Programm Sie natürlich erfragen - muss dabei zunächst gar nicht eingebunden werden. Erst später, wenn Ihr Hund freiwillig und mit einem deutlich besseren Gefühl mit Ihnen in die Praxis geht, wäre es toll, wenn der eine oder andere Kurzbesuch im Behandlungsraum möglich wäre. Viele Tierärzte sind diesbezüglich sehr kooperationsbereit - und freuen sich später über unkomplizierte vierbeinige Patienten.

  Großhirn an - Angst aus!

Bestimmt wissen Sie das aus eigener Erfahrung: In Panik oder Wut sein und gleichzeitig einen klaren Gedanken fassen - das funktioniert nicht! Und das ist nicht nur bei Ihnen so: Alle Säugetier-Gehirne sind so konstruiert, dass Beides - rationales Denken und starke Gefühle - nicht zeitgleich geht. Dieses Wissen können Sie sich auch im Umgang mit der Tierarzt-Angst Ihres Hundes zunutze machen. Geben Sie Ihrem Hund in der Praxis (z.B. während Sie auf die Behandlung warten) kleine Aufgaben: Lassen Sie ihn - soweit das in der Praxis ohne viel Wirbel möglich ist - seine Lieblingstricks und Lieblingsübungen ausführen. Gucken Sie, ob Sie ihn unauffällig mit kleinen Denksportaufgaben beschäftigen können (beispielsweise lässt sich die Übung "Weg vom Futter" aus unseren Clicker-Einstiegs- und Kreativitätsübungen recht unauffällig, ohne viel Aktion und auf wenig Raum ausführen). Belohnen Sie ihn fürstlich dafür. Sorgen Sie dafür, dass sein Gehirn "angeschaltet" bleibt - das verhindert, dass sich Panik breitmachen kann.

  Noch ein Buchtipp zum Schluss

Hier kommt zwar kein Clicker zum Einsatz, aber viele Anregungen zum Training stressfreier Tierarztbesuche sind trotzdem enthalten:

Daniela Hofer: Mein Hund beim Tierarzt (Cadmos Verlag 2006, ca. € 11,-)

Von der Zahnpflege bis zum Krallenschneiden, vom Hochheben auf den Behandlungstisch bis hin zum Maulkorbtraining: Für diese und viele weitere typische "Tierarzt-Prozeduren" und auch Handlingübungen der täglichen Pflege (wie z.B. Baden oder Bürsten) enthält das Buch Übungsanleitungen. Außerdem bekommt der Hundehalter Tipps, wie er seinen Hund beim Tierarzt auf die richtige Art und Weise unterstützen kann.

  ... wir wünschen entspannte Tierarztbesuche!

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© Christina Sondermann 2000 - 2010
Kontakt: christina@spass-mit-hund.de