

In letzter Zeit hat sich viel getan in der Hundewelt. Neues Wissen hat Einzug
gehalten: Heute weiß man, dass ein komplett gewaltfreier,
verständnisvoller Umgang mit dem Hund nicht nur zu besseren Ergebnissen im
Training führt, sondern auch Verhaltensprobleme vermeidet und löst. Hinzu kommt,
dass veraltete Dominanz- und Rangordnungskonzepte aufgrund neuerer Erkenntnisse
endgültig ad akta gelegt worden sind. Und: Dank aktueller wissenschaftlicher
Erkenntnisse wissen wir mehr über das Gefühlsleben unserer Vierbeiner, das dem
unseren gar nicht so unähnlich ist - ein weiterer Grund, achtsam und respektvoll
mit unseren Hunden umzugehen.
Um gute Bücher rund um Hundeverhalten und -erziehung zu finden, die diese neuen Erkenntnisse aufgreifen, muss man allerdings noch genauer hinschauen. Leider vermittelt auch aktuelle Literatur nicht automatisch neues Wissen. Aber: Die Zahl der Lichtblicke auf dem schier unübersehbaren Hunde-Büchermarkt ist mittlerweile erfreulich groß!
Wir stellen hier eine Auswahl lesenswerter, fortschrittlicher Lektüre vor - unsere Favoriten innerhalb der bislang erschienenen empfehlenswerten Ratgeber rund um Verhalten und Erziehung. All diesen Büchern ist eines gemein: Sie basieren auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen - und nicht auf den Theorien, Erziehungskonzeption und "patentierten Methoden" Einzelner.
Wenn Sie gerade erst einsteigen in die Welt der guten Hundebücher: Lassen Sie sich von der Vielzahl der Titel nicht verwirren - wir haben für Sie am Ende der Bücherliste Tipps für eine "Grundausstattung" zusammengestellt - und einen Schnellcheck, wie Sie "das gute Hundebuch" unter der Fülle angebotener Literatur herausfinden können.
Übrigens: Durch Anklicken der Buchtitel oder des Buchcovers können Sie die meisten Bücher direkt bei Amazon bestellen.
HUNDE BESSER VERSTEHEN
Grundvoraussetzung für ein harmonisches Zusammenleben mit unseren Vierbeinern ist es, dass wir sie und ihr Verhalten verstehen. Und genau darum drehen sich die folgenden Bücher:
So sind sie: Ein Ausflug in die Welt
unserer Hunde
Patricia
McConnell "Trafen sich zwei - Betrachtungen über Menschen und Hunde" (Kynos
Verlag, ca. € 17,00)
NEU
Was passiert, wenn "Primaten" (wir Zweibeiner) und "Caniden" (unsere Hunde)
aufeinandertreffen? Wieso verstehen wir uns machmal so gut - und warum manchmal
überhaupt nicht - und wie können wir uns besser verständlich machen? Was weiß
die Wissenschaft über das Gefühlsleben von Hunden - und was haben das Wälzen in
toten Mäusen und das Tragen grellbunter Hawaiihemden gemeinsam? Patricia
McConnell - amerikanische Ethologin, Zoologie-Professorin und
Tierverhaltenstherapeutin - geht den Dingen nicht nur kenntnisreich und
wissenschaftlich fundiert, sondern auch ungeheuer unterhaltsam (ihr Schreibstil
ist einfach umwerfend) und leicht verständlich auf den Grund. Keine Angst vor
rund 200 Seiten ohne Abbildungen: Das Buch lässt sich verschlingen wie ein
Roman. Weil es eine Sammlung einzelner Kolumnen ist, die ursprünglich für eine
amerikanische Hundezeitschrift geschrieben wurden, ist es handlich verpackt in
kleine Kapitel, die sich unabhängig voneinander lesen lassen. Aber Vorsicht: Als
Bettlektüre ist "Trafen sich zwei" nur bedingt geeignet: Zwei- und vierbeinige
Schlafzimmergenossen werden sich garantiert über gelegentliche Lacher und das
lange brennende Licht beschweren...
Viviane
Theby "Verstehe deinen Hund. Kommunikationstraining für Hundefreunde"
(Kosmos Verlag, ca. € 13,00)
Sie möchten eine gute Beziehung zu Ihrem Hund aufbauen? Sie wünschen sich einen Hund, der es genießt, mit Ihnen zusammenzusein, der gerne lernt und Ihnen mit Freude „gehorcht“? Dann führt kein Weg an einem guten Kommunikationstraining vorbei: Lassen Sie sich auf die Spezies Hund ein. Lernen Sie, wie ein Hund „tickt“, wie Sie ihn besser verstehen und sich ihm besser verständlich machen können. Viviane Thebys Buch „Verstehe deinen Hund“ kann Ihnen ganz bestimmt dabei helfen. Mit seinem Preis von rund 13 Euro ist es besonders erschwinglich und die übersichtliche Aufgliederung in kurze Kapitel und ansprechende Gestaltung dürfte selbst Lesemuffel überzeugen. Gerade, wenn Sie mit Ihrem Hund gezielt trainieren, sei es in der Hundeschule oder im Hundesport, besitzt das Büchlein unbedingten Pflichtlektürecharakter. Viviane Theby zeigt auf kurzweilige und gut verständliche Art auf, wie ein gutes Kommunikation- und Lernklima aussehen sollte und räumt mit jeder Menge weit verbreiteter „alter Hüte“ und Missverständnisse rund um das Hundetraining (a la „Der ist ungehorsam und dominant - zeig ihm, wer der Herr im Hause ist, dann gehorcht er dir besser“) auf.
Jean Donaldson: Hunde sind anders (Kosmos Verlag, ca. € 20,00)
"Hunde sind anders" ist quasi als äußerst unterhaltsame Entrümpelungsaktion zu verstehen: Jean Donaldson räumt auf mit unzähligen Vorurteilen und Legenden rund um den Hund - und macht darin auch den antiquierten Dominanzkonzepten den Gar aus. Auch hier gilt wieder einmal: Keine Angst vor gut 300 Seiten ohne Bilder - das Buch ist spannend wie ein Roman und eine echte Entdeckungsreise in Welt und Köpfe unserer Hunde - mit vielen praktischen Tipps für das Zusammenleben mit unseren Vierbeinern.
Suzanne Clothier: Es würde Knochen vom Himmel regnen. Über die Vertiefung unserer Beziehung zu Hunden (animal learn Verlag, ca. € 26,00)
"Es würde Knochen vom Himmel regnen" hat ähnliche Qualitäten wie Jean Donaldsons "Hunde sind anders" und ist dabei trotzdem ganz anders. Suzanne Clothier schreibt davon, was in den Köpfen unserer Hunde vorgeht, welche Missverständnisse häufig zwischen Hund und Mensch auftreten und schafft dabei die Gratwanderung zwischen wissenschaftlichen Fakten und Emotionalität. Im wahrsten Sinne des Wortes ein Buch mit Herz und ganz viel Verstand.
Patricia
McConnell: Das andere Ende der Leine
(Kynos Verlag, als preiswerte
Taschenbuchausgabe ca. € 10,00)
"Das andere Ende der Leine" ist ein weiteres Highlight aus der hündischen Bücherwelt, das zum besseren Verständnis unserer vierbeinigen Hausgenossen beiträgt. Das Zusammenleben von Mensch und Hund wird hier einmal von einer ganz anderen Seite beleuchtet - nämlich als Zusammentreffen von Primaten und Caniden! Zwei Welten stoßen aufeinander - und können es trotz aller Unterschiede und Kommunikationsprobleme dennoch irgendwie schaffen, miteinander zurecht zu kommen und sogar ein harmonisches Zusammenleben zu entwickeln. Dieses Buch trägt maßgeblich dazu bei - und ist jetzt übrigens auch als preiswerte Taschenbuchausgabe erhältlich!
Raymond
und Lorna Coppinger: Hunde.
Neue Erkenntnisse über Herkunft, Verhalten und Evolution der Kaniden (animal
learn Verlag, ca. € 34,00)
"Hunde": Hinter dem unverfänglichen Titel verbergen sich neue Erkenntnisse, die seit einiger Zeit für viel Gesprächsstoff in der Hundewelt sorgen und Vieles auf den Kopf stellen, was wir bislang von unseren Hunden gedacht haben. Die renommierten amerikanischen Canidenforscher und Verhaltensbiologen Raymond und Lorna Coppinger veröffentlichen in diesem Buch die Ergebnisse ihrer jahrelangen Forschungsarbeiten rund um Abstammung, Evolution und Verhalten unserer hündischen Zeitgenossen. Ausgehend von ihrer Biologie erklärt das Buch, was Hunde eigentlich sind, warum sie sich so grundlegend von Wölfen unterscheiden, wie sie sich so unterschiedlich in verschiedenen Rassen entwickeln konnten und wie ihre Beziehung zum Menschen in einer Weise bereichert werden kann, von der beide Spezies profitieren. Prädikat: (R)evolutionär ;-) Das Buch ist vor allem ein Highlight für Hundemenschen, die tiefer in die Materie "Hund" einsteigen wollen und bietet geballtes Wissen auf fast 400 Seiten. "Hunde" verlangt streckenweise Einiges an Konzentration und Mitdenken, ist insgesamt aber gut zu lesen und teilweise sogar recht unterhaltsam. Man merkt dem Buch an, dass die Coppingers nicht "nur" Wissenschaftler, sondern nach eigenen Worten auch "zwei der begeistertsten Hundeliebhaber dieser Welt" sind. Wer die günstigere englischsprachige Taschenbuch-Ausgabe vorzieht, findet sie bei amazon.de
Die Sache mit der Dominanz...
Barry
Eaton: Dominanz. Tatsache oder fixe Idee (animal learn Verlag, ca. €
5,00)
Alle dominanzgeplagten Hundebesitzer können aufatmen: Endlich gibt es ihn - den komprimierten, schnell zu lesenden Rundumschlag, der aufräumt mit den kaum enden wollenden Gerüchten rund um Rudelhierarchien, Rangordnung und Dominanz im Zusammenleben zwischen Mensch und Hund. Barry Eaton gelingt es, auf nicht einmal 40 Seiten die aktuellsten Erkenntnisse und Forschungsergebnisse anerkannter Experten wie den Coppingers, David Mech, James O’Heare, John Fisher und Jean Donaldson zusammenzufassen - und das noch auf äußerst unterhaltsame und augenzwinkernde Art und Weise. Nach dem Lesen dieser Lektüre werden Sie eine Sorge los sein: Barry Eaton wird Sie sicherlich davon überzeugen können, dass Ihr Hund weder die Weltherrschaft anstrebt, noch beabsichtigt, das Zepter in Ihrer Familie zu übernehmen... Dieses Büchlein, das für seine 5 Euro wirklich erschwinglich ist, gehört unserer Meinung nach in die Bücherregale aller Hundehaushalte.
Anders
Hallgren: "Das Alpha Syndrom. Über Führung und Rangordnung bei Hunden - was das
ist und was nicht" (animal learn Verlag, ca. € 19,00)
Sie möchten noch ein paar Seiten mehr und etwas ausführlicher zum Thema "Dominanz" schmökern? Dann wird Ihnen die Lektüre von "Das Alpha-Syndrom" gut gefallen. Anders Hallgren beleuchtet Definitionen und wissenschaftlichen Hintergrund von Begriffen wie Rangordnung, Führung und Dominanz und stellt verschiedene Interpretationen vor - und das alles bestens lesbar, ansprechend und aufgelockert mit vielen Fotos und Abbildungen für den interessierten Laien aufgemacht.
James
O'Heare: Dominanztheorie bei Hunden. Eine wissenschaftliche Betrachtung
(animal learn Verlag, ca. € 9,00)
Hier geht's ans Eingemachte - für alle, die der Sache noch mehr auf den Grund gehen möchten und Spaß an Wissenschaft aus erster Hand haben: James O'Heare untersucht die Theorie der sozialen Rangordnung - einst als allgemeingültiger Organisationsmechanismus für in sozialen Gruppen lebende Arten angesehen - und überprüft ihre Übertragbarkeit auf Hunde. Fazit: Das Sozialsystem vieler Spezies - so auch unserer Hunde - ist weitaus komplexer als eine starre lineare Struktur. Etwaige Rangordnungen sind fließend, dynamisch und kontextabhängig. Die Dominanztheorie eignet sich allenfalls begrenzt, in komplexen sozialen Gesellschaften Verhaltensweisen erklären und vorhersagen zu können. Gerade Trainer und Verhaltenstherapeuten, die immer wieder mit den althergebrachten Dominanz-Theorien konfrontiert werden, möglicherweise selbst noch auf dieses Basis ausgebildet wurden und sich - ideologiefrei - über den wissenschaftlichen Hintergrund von Dominanztheorien informieren möchten, sind mit der Lektüre dieses Buches gut beraten.
Spezialgebiet Lernverhalten
Dorothee
Schneider: Die Welt in seinem Kopf. Über das Lernverhalten von Hunden
(animal learn Verlag, ca. € 19,00)
Wer
seinen Hund erfolgreich trainieren oder gar andere Menschen zum Training ihres
Hundes anleiten will, sollte zunächst einmal wissen, wie Hunde lernen und was
sich in ihrem Kopf abspielt. Gerade für Hundetrainer ist dieses Buch deshalb
absolute Pflichtlektüre. "Die Welt in seinem Kopf" vermittelt auf anschauliche
Art das erforderliche Grundlagenwissen rund um das Lernen bei Hund und Mensch:
Was bedeutet "Lernen" überhaupt? Welche Prozesse im Gehirn und in den
Nervenzellen finden dabei statt? Was begünstigt und was hemmt das Lernen, das
Abspeichern und das Wiederabrufen von Gelerntem? Wie sind vor diesem Hintergrund
verschiedene Trainingsmethoden zu beurteilen? "Die Welt in seinem Kopf" ist ein
durchaus anspruchsvolles Buch - durch seine Gestaltung und Strukturierung jedoch
gut "verdaulich", verständlich und gehirngerecht aufbereitet. Das Buch ist zudem
- basierend auf den gewonnenen Erkenntnissen rund um das Lernverhalten von
Hunden - ein Plädoyer für hunde- und menschenfreundliche Trainingsmethoden: Wer
seine Hunde zu einem hohen Leistungsniveau führen will, braucht dafür keine
Starkzwangmethoden.
Sabine Winkler: So lernt mein Hund. Der Schlüssel für die erfolgreiche Erziehung
und Ausbildung. (Kosmos
Verlag, ca. € 17,00)
"So lernt mein Hund" ist ein ähnlich geartetes Standardwerk für alle, die mehr wissen und besser argumentieren wollen. Wie der Titel schon sagt, geht es zunächst einmal um das Lernverhalten unserer Vierbeiner. Es wird aufgezeigt, welche Möglichkeiten es gibt, hündisches Verhalten zu beeinflussen. Darauf aufbauend werden verschiedene Ausbildungsmethoden und -hilfsmittel wertfrei einander gegenüber gestellt und auf Wirkungen und Nebenwirkungen untersucht. Prädikat: Äußerst wertvoll!
Sabine Winkler: Trainingsbuch Hundeerziehung (Kosmos Verlag, ca. € 13,00)
„Es reicht nicht zu wissen, man muss es auch anwenden. Es reicht nicht zu wollen, man muss es auch tun“. Diese schlauen Worte stammen von Goethe - und finden sich zurecht gleich am Anfang des neuen Buches von Sabine Winkler, in dessen Mittelpunkt der Brückenschlag zwischen der Vermittlung wichtiger aktueller (lern)theoretischer Grundlagen und deren Umsetzung in die Trainingspraxis steht. Das „Trainingsbuch Hundeerziehung“ ist nicht als klassisches Hundeschulbuch, nicht als Grundkurs rund um die Übungen zur Alltagstauglichkeit zu verstehen. Insbesondere Hundebesitzer, die mit ihrem Vierbeiner im Hundesport oder „Realeinsatz“ intensiv auf ein bestimmtes Ziel hintrainieren sowie Hundetrainer, die mit anderen Hund-Mensch-Teams arbeiten, sind gut beraten, sich mit diesem Buch zu beschäftigen. Das besondere am „Trainingsbuch“ sind die vielen praktischen Beispiele, Tests und präzisen Übungsanleitungen, die dabei helfen, dem eigenen Training den nötigen Feinschliff zu verleihen – man kann das Buch im wahrsten Sinne des Wortes „durcharbeiten“. Lernmechanismen, positive und negative Verstärkung bzw. Bestrafung mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen, klassische und operante Konditionierung, der durchdachte Einsatz von Belohnungen oder die Gestaltung einer optimalen, stressarmen Lernatmosphäre für den Hund gehören zu den Dingen, mit denen der Leser in Theorie und sehr viel Praxis vertraut gemacht wird. Es gibt aus unserer Sicht einen kleinen Wehrmutstropfen: U.a. wird der Einsatz von Discs als Abbruchsignal vorgestellt und erklärt. Es bleibt zu hoffen, dass der Leser tatsächlich mitdenkt und aufgrund der vielen im Text genannten „Risiken und Nebenwirkungen“ ihre Anwendung von Vornherein erst gar nicht in Erwägung zieht.
Juliane
Kaminsi, Juliane Bräuer: Der kluge Hund: Wie Sie ihn verstehen können (rororo
Verlag, ca. € 9,00)
Bestimmt kennen Sie das: Wenn es um das Verhalten unserer Hunde geht, wurde lange Zeit häufig sein wilder Vorfahr, der Wolf, als Vergleichsmaßstab und Erklärungsansatz herangezogen. So wurde auch in der Wissenschaft unser Haushund lange Zeit etwas abwertend quasi als "unvollständiger Wolf" verstanden, da er viele Fähigkeiten seines wilden Vorfahrens verloren hat (beispielsweise ein kleineres Gehirn sowie ein schlechteres Hör- und Riechvermögen besitzt). Viele Wissenschaftler brachten der Forschung mit Hunden daher auch wenig Interesse entgegen, weil diese in einer "unnatürlichen Umgebung" leben und die Ergebnisse solcher Versuche deshalb nicht ihre wahre Natur widerspiegeln würden. Erst in jüngster Zeit hat sich die Meinung durchgesetzt, dass Hunde nicht in einer unnatürlicheren, sondern einfach in einer anderen Umgebung als Wölfe leben (wen dieser Aspekt interessiert, dem sei Coppingers Buch "Hunde" ans Herz gelegt - oder aber unser zusammenfassender spass-mit-hund-Artikel "Die Ahnen unserer Hunde"). Die natürliche Umgebung des Hundes ist die des Menschen, hier sind also andere Fähigkeiten gefragt als in der freien Natur. Mit dieser Erkenntnis werden unsere Haushunde plötzlich sogar zu ganz besonders interessanten Modellen für die Wissenschaft: schließlich könnten sie während ihres besonders langen und teils engen Zusammenlebens mit uns Menschen besondere Fähigkeiten entwickelt haben, sich an das Leben mit uns anzupassen. Dieser neue Ansatz in der Betrachtungsweise des Hundes gab den Anstoß zu zahllosen neuen, ungeheuer spannenden Untersuchungen - hier tut sich fast tagtäglich Neues.
Juliane Kaminski und Juliane Bräuer, beide Wissenschaftlerinnen am Max-Planck-Institut in Leipzig, stellen in ihrem Buch "Der kluge Hund" die Ergebnisse verschiedener Studien vor: Was verstehen Hunde über uns Menschen? Begreifen sie, was wir ihnen mitteilen möchten? Was verstehen sie über die Welt, in der wir leben? Das Buch ist (wie der Untertitel vermuten lassen könnte) sicherlich kein allumfassender Leitfaden zum Verstehen unsere Hundes - schließlich stehen wir noch ganz am Beginn, unseren vierbeinigen Freunden in ihre Köpfe zu gucken. Auch würden wir davon abraten (wie auf dem Buchrücken angeregt), die anschaulich beschriebenen Experimente zuhause allzu unreflektiert nachzuspielen (überlegen Sie sich immer, ob die nachgestellten Situationen Ihren Hund in Konflikt oder allzu große Frustration bringen könnten). Trotzdem ist es ausgesprochen spannend, einen Eindruck davon zu erhalten, welche - teils erstaunlichen - kommunikativen und sozialen Fähigkeiten unsere Hunde zu besitzen scheinen. Hier darf man gespannt sein, welche Erkenntnisse uns die Kognitionsforschung in nächster Zeit noch bringen wird. Sehr wohltuend sind die kritischen Betrachtungen zur Messbarkeit und Vergleichbarkeit von "Intelligenz" und "Klugheit" verschiedenster Rassen und Individuen. Hier zeigen die Autorinnen auf, was wir Besitzer der Hunderassen, die in den vermeintlichen "Intelligenzrankings" meist ganz hinten rangieren, schon immer wussten: Es gibt bislang keinerlei wissenschaftliche Belege dafür, dass eine Rasse klüger ist als die andere.
Noch eine Anmerkung am Rande: Leider klingt im einführenden Teil (bis etwa S. 30) noch eine kleine wissenschaftliche Altlast mit. So gilt das Modell der strikt hierarchischen, umkämpften Rangordnung als ein Erklärungsansatz hündischen Verhaltens mittlerweile als nicht mehr pässig. Wer jedoch die entsprechenden Absätze großzügig überliest, den erwartet ein spannendes Lesevergnügen auf den vielen nachfolgenden Seiten.
...aber bitte mit Gefühl!
Auch, wenn niemand von uns Hundeliebhabern ernsthaft Zweifel daran hegen mag, dass unser persönlicher Bello ein reiches Gefühlsleben hat: Es gibt nach wie vor zahllose Menschen, sowohl Laien als auch Wissenschaftler, die davon überzeugt sind, dass Tiere mehr oder minder Objekte sind - quasi "Reflexmaschinen", die durch äußere Einflüsse aktiviert und zu Reaktionen veranlasst werden. Dabei liefert die aktuelle Wissenschaft faszinierende und unwiderlegbare Beweise dafür, dass wir Menschen unsere Fähigkeit, Gefühle zu empfinden, mit zahlreichen unterschiedlichen Arten teilen - darunter auch unseren Hunden. Die Gemeinsamkeiten unserer körpereigenen chemischen und neurobiologischen System sind groß - und damit auch das Vermögen, Emotionen wie Angst, Freude, Zorn, Vergnügen, Trauer oder sogar Mitgefühl in ähnlicher Intensität zu empfinden. Dass sich die neuen Erkenntnisse aus evolutionärer Biologie, kognitiver Ethologie und den sozialen Neurowissenschaften erst langsam durchsetzen, erstaunt nicht: stellen sie doch unseren Umgang mit unseren tierischen Mitgeschöpfen grundsätzlich in Frage. Das gilt sicherlich auch für so Manches im Umgang mit unserem Hund - und für so manche Trainingsmethode oder "Erziehungsmaßnahme".... Die altbekannte Redewendung "Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu" erhält so eine ganz aktuelle Bedeutung - denn der "andere" (in diesem Fall unser Hund) fühlt das gleiche - die gleiche Angst, den gleichen Schmerz, die gleiche Freude - wie wir. Höchste Zeit also, dass wir Zweibeiner uns mit den neuen Erkenntnissen auseinandersetzen - die folgenden Buchtipps leisten hier unschätzbar wertvolle Aufklärungsarbeit!
Patricia
McConnell: Liebst du mich auch? Die Gefühlswelt bei Mensch und Hund
(Kynos Verlag, ca. € 20,00)
Patricia McConnell
schreibt selbst treffend über ihr Buch: "Liebst du mich auch? ist eine
Kombination aus erzählten Begebenheiten, Wissenschaft und praktischem Rat dazu,
wie Wissen um die Gefühle von Hund und Mensch unsere Beziehungen zu Hunden
verbessern kann. Es ist kein Erziehungsbuch, aber voller Informationen, die
Ihrem Hund zu besserem Verhalten verhelfen können und Ihnen dazu, ein besserer
Hundebesiter zu werden." Wir finden:
Ein fantastisches Buch rund um die
Gefühlswelt unserer Hunde - randvoll mit aktuellen Erkenntnisse aus der
Wissenschaft, insbesondere der Hirnforschung, bei allem geballten Wissen jedoch
gut verständlich, kurzweilig und humorvoll geschrieben. Für Trainer ein "Muss",
für interessierte, engagierte und lesewütige Hundebesitzer (das Buch hat rund
370 Seiten, fast ausschließlich Text) ein Tipp. Wer vor dem dicken Wälzer
zurückschreckt, dem sei vor allem die Quintessenz dieses Buches ans Herz gelegt:
Was immer Sie mit ihrem Hund tun, fragen Sie sich "Wie würde ich mich fühlen,
wenn ich ein Hund wäre. Würde ich wollen, dass so mit mir umgegangen wird?" Sie
dürfen in diesem Fall ruhig vermenschlichen - denn Ihr Hund fühlt ähnlich wie
Sie. Übrigens: Die Bücher, die wir auf unseren Seiten empfehlen, stehen allesamt
für einen respektvollen Umgang mit unserem vierbeinigen Hausgenossen.
Marc
Bekoff: Das Gefühlsleben der Tiere
(animal learn Verlag, ca. €
20,00)
Endlich ein Buch von Marc Bekoff in deutscher Sprache: Kaum jemand versteht es so wie er, gleichsam wissenschaftlich fundiert und emotional engagiert zu argumentieren. Marc Bekoff, emeritierter Professor der Biologie an der Universität von Colorado-Boulder, fasst in diesem Buch das stetig wachsende Datenmaterial wissenschaftlicher Beweise zusammen, das die These von der Existenz vielfältiger Emotionen bei Tieren unterstützt. Wissenschaftliche Fakten werden dabei begleitet von teils tief beeindruckenden Fallgeschichten und Begebenheiten, die das Lesen des Buches zu einem Erlebnis werden lassen. Ein klares ein Plädoyer für einen rücksichtsvollen, mitfühlenden und respektvollen Umgang mit unseren tierischen Mitgeschöpfen.
Hundesprache verstehen
Turid Rugaas: Calming Signals. Die Beschwichtigungssignale der Hunde (animal learn Verlag, ca. € 19,00)
Hunde stehen im ständigen kommunikativen Austausch mit uns und ihren Artgenossen. Bloß merken wir dies häufig nicht. Das Wissen um die Existenz von Beschwichtigungssignalen, die vor allem von der Norwegerin Turid Rugaas in den letzten Jahren bekannt gemacht worden sind, ist für die meisten Hundehalter ein Meilenstein in der Beziehung zwischen Mensch und Hund und öffnet buchstäblich Tore zur Hundewelt. Wer ungeduldig ist, kann sich ein erstes Bild von den Beschwichtigungssignalen bereits in unserer Rubrik "Mehr Wissen" verschaffen.
HUNDE ERZIEHEN UND TRAINIEREN
Aktuelles Wissen umgesetzt in praktische Trainingsanleitungen finden Sie hier:
Darf's ein bisschen Hundeschule sein?
Christiane Blenski: Hunde erziehen, ganz entspannt (Kosmos Verlag, ca. €
15,00)
Hinter "Hunde erziehen, ganz entspannt" verbirgt sich ein fortschrittlicher, gut
zu lesender Ratgeber zur Grunderziehung von Welpen und erwachsenen Vierbeinern.
Das Buch eignet sich ganz hervorragend für Neu-Hundebesitzer und vermittelt das
notwendige Rüstzeug für ein harmonisches Miteinander mit dem eigenen Hund. Es
aber auch ein Buch zum Nachschlagen, Lesen und Verstehen für alle, die bei ihrer
Hunde-Erziehung an einem Punkt nicht weiterkommen und von vorne anfangen wollen
und müssen.
Zu den wesentlichen Inhalten gehören
ein kurzweiliger Grundlagenteil, in dem erklärt wird, wie der Hund lernt, was ihn vom Lernen abhalten kann und welche Missverständnisse zwischen Hund und Mensch vorkommen können
Anleitungen zu Basisübungen wie Sitz, Platz, Bleib, Leinenführigkeit (inklusive freudigem An- und Ableinen), Bei Fuß, Herbeikommen, Hergeben von Gegenständen
Training zur Alltagstauglichkeit wie Stubenreinheit, Pflege, Alleine bleiben, Nicht betteln, Nicht anspringen,
Tipps zum alltäglichen Zusammenleben, z.B. zum Spiel zwischen Hund und Mensch, mit dem Hund unterwegs, Begegnungen mit anderen Menschen und Hunden, Hund und Baby
Alle Übungen sind sehr anschaulich und gut nachvollziehbar beschrieben. Häufig wird auch kurz erwähnt, wie eine Übung unter Einsatz des Clickers gestaltet werden kann.
Was uns an diesem Besuch besonders gut gefällt: Es lehrt den Hundebesitzer, den Hund nicht nur zu trainieren, sondern auch zu verstehen und mit ihm in einen Dialog zu treten. Nach dem Motto "Erwischen Sie Ihren Hund dabei, wenn er etwas richtig macht" wird der Leser regelrecht darauf programmiert, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die der Hund gut macht.
Ein wenig zu viel des Guten sind nach unserem Geschmack die vielen "Anglizismen" im Buch. Die Oberkapitel heißen "Let’s work", "Every day" oder "Teamplayer", die wesentlichen Elemente einzelner Übungen werden unter "Check it and get it" zusammengefasst und alles wird in "Easy steps" unterteilt. Aber das ist Geschmackssache und auch wirklich überhaupt kein Grund, dieses Buch nicht in die Hand zu nehmen - selbst wenn man der englischen Sprache nicht mächtig ist.
"Hunde erziehen" ist ein rundum sympathisches und gelungenes Buch, das für einen netten Umgang mit dem Hund steht - und richtig Lust auf das gemeinsame Training macht! Übrigens: "Hunde erziehen, ganz entspannt" ist auch eine ideale Beurteilungshilfe für alle, die vorhaben, mit ihrem Hund die Hundeschule zu besuchen: Wenn Sie eine Hundeschule finden, die so arbeitet, wie im Buch vorgestellt, dann sind Sie sicherlich an einer guten Adresse.
Viviane Theby: Hundeschule (Kosmos Verlag, ca. € 13,00)
Wer bei Viviane Theby die Hundeschulbank drückt, bekommt einen dicken Batzen Lerntheorie und Verhaltenskunde mit auf den Weg. Die einzelnen Übungen sind eingebettet in jede Menge Basiswissen, das es dem zweibeinigen Ende der Leine möglich macht, zu verstehen, wie sein vierbeiniger Trainingspartner lernt. Das Buch macht Hund und Mensch fit, verlangt aber auch die Bereitschaft, sich mit den theoretischen Grundlagen intensiv auseinander zu setzen. Rangordnungs- und Dominanztheorien spielen in diesem Buch erfreulicherweise überhaupt keine Rolle.
Ein Welpe zieht ein!
Imke
Niewöhner: Auf ins Leben! Grundschulplan für Welpen
(Kynos Verlag, ca. € 17,00)
Das perfekte Buch für Welpenbesitzer, die sich mit einem einzigen, schnell und einfach zu lesenden Hundebuch alle wichtigen und vor allen Dingen zeitgemäßen Grundlagen rund um Hundeverhalten und Hunde-Erziehung aneignen wollen. "Auf ins Leben!" schlägt in einem Acht-Wochen-Grundlagenprogramm für jeden Tag ein bunt gemischtes Programm von Theorie- und Praxiseinheiten für Mensch und Hund vor. Unsere Meinung: Der "Stundenplan" aus Übungsanleitungen, Ausflugstipps und Lesestoff sollte eher als Anregung verstanden werden - hier sollte sich niemand unter Stress setzen. Die Texte des Buches sollten jedoch - unabhängig vom "Stundenplan" - umso sorgfältiger gelesen werden: Imke Niewöhner hält viele Tipps für die Eingewöhnung und Erziehung des Hundekindes bereit, gibt praktische Anleitungen für das Training der "Alltagsübungen" und vermittelt wichtige Grundlagen rund um Verhalten, Sprache sowie Lernvermögen unserer Hunde. Kurz und komprimiert behandelt werden dabei auch Themen wie Beschwichtigungssignale, Stress bei Hunden, Beschäftigungsmöglichkeiten und Clickertraining. Besonders nett: Unter dem Motto "Achtung! Alter Hut!" räumen kleine Info-Kästen in den verschiedenen Kapiteln mit einer Menge überholter, sich teils aber hartnäckig haltender Weisheiten aus den Urzeiten der Hunde-Erziehung auf.
Viviane
Theby: Das Kosmos-Welpenbuch
(Kosmos Verlag, ca. € 20,00)
Zum optimalen Start ins Hundeleben können Züchter und Besitzer gleichermaßen beitragen - und an beide richtet sich das Buch. Allerdings ist das Buch viel zu schade, um ausschließlich diesen Zielgruppen vorbehalten zu bleiben: Es ist gut verständlich geschrieben, wunderschön bebildert und liefert jede Menge Wissen für alle Hundefreunde und Neu-Hund-Besitzer! Das "Welpenbuch" legt seinen Schwerpunkt auf Verhalten, Verhaltensentwicklung und Erziehung. Es setzt bereits weit vor dem Einzug des Welpen in sein neues Zuhause ein: Hier werden zum einen die zukünftigen Besitzer fit gemacht, den geeigneten Züchter zu finden und anschließend die vom Züchter begonnene Arbeit sinnvoll weiter führen zu können. Zum anderen erhalten Züchter viele gute Tipps, wie sie die Welpen noch besser fördern und Verhaltensproblemen wirksam vorbeugen können. Absolut empfehlenswert und praxisorientiert ist der große zweite Teil und Schwerpunkt des Buches "Welpenschule". Was tun, wenn der Hund eingezogen ist? Wie das Zusammenleben organisieren? Wie den Hausgenossen erziehen und sich ihm verständlich machen? Wie das Training gestalten? Was tun, wenn Probleme auftreten ? Alle praktischen Anleitungen sind einfach zu verstehen. Die Übungen werden meist mit Clicker aufgebaut. Allein diese immerhin gut 100 Seiten machen das Buch auch für Neuhundbesitzer erwachsener Hunde zu einer lohnenswerten Investition! Übrigens liegt dem Buch eine CD mit Alltagsgeräuschen bei.
Spezial: Hund und Kind
Dagmar
Cutka: So klappt's mit Kind und Hund (Cadmos Verlag, ca. € 11,00)
Das Buch für alle Eltern: Sie erfahren darin, was man beim Umgang von Kindern und Hunden beachten muss, damit Gefahrensituationen gar nicht erst entstehen und Kind und Hund dicke Freunde werden können. Ob zuerst der Hund da war und dann das Baby kommt oder ob ein Hund neu in einen "Kinder-Haushalt" einzieht: Das Buch ist voll mit aktuellem Wissen und hält eine Fülle nützlicher Tipps parat - und die Anschaffung lohnt sich für jede (künftige) Familie !
Sarah
Whitehead: Das Hundebuch für Kids (Kosmos Verlag, ca. € 13,00)
Das Buch für alle Kinder: Hier werden die Grundlagen von Hundehaltung und Hunde-Erziehung kindgerecht aufbereitet. Eigentlich stapelt "Das Hundebuch für Kids" mit seinem Titel sogar tief, denn es ist im Grunde ein fantastischer Ratgeber für die ganze Familie - ein Rundumschlag rund um Hundehaltung und -ausbildung ohne Wenn und Aber. Leicht verständlich und unterhaltsam werden hier alle notwendigen Grundlagen vermittelt: Das "Hundebuch für Kids" ist eines der fortschrittlichsten auf dem deutschsprachigen Hunde-Büchermarkt und beileibe nicht nur ein Anfänger-Buch. Anstatt veralteter Rudel- und Dominanztheorien legt es aktuelle verhaltenskundliche Erkenntnisse rund um den Hund zugrunde und leitet nicht nur die Kids zu einem fairen Umgang mit dem Hund an.
Und noch mehr gutes Training
Turid
Rugaas: Hilfe, mein Hund zieht!
(animal learn Verlag, ca. € 11,00)
Würde man eine Umfrage unter Hundebesitzern starten, so wäre eines ihrer Hauptanliegen ganz sicher die Leinenführigkeit ihrer Vierbeiner. Dieses Spezialthemas hat sich nun auch Turid Rugaas angenommen. Die Norwegerin hat durch ihre Veröffentlichungen zum Thema Beschwichtigungssignale sowie durch ihr Engagement für hunde- und menschenfreundliche Trainingsmethoden längst weltweiten Bekanntheitsgrad erreicht. Das Besondere an ihrem schön gestalteten neuen Büchlein ist nicht allein die Anleitung zum Training der Leinenführigkeit (für das es sicherlich die verschiedensten hundefreundlichen Ansätze gibt): Was uns besonders gefällt, sind Turid Rugaas' allgemeine Betrachtungen zum Thema. Warum ziehen Hunde überhaupt an der Leine? Was geht in ihnen vor, wenn sie ziehen - und was sagt die Leinenführigkeit über die Beziehung zwischen Hund und Mensch aus? Welche (auch gesundheitlichen) Folgen hat das Ziehen an der Leine? Turid Rugaas' Buch ist eine wertvolle Argumentationshilfe gegen den Einsatz von Leinenrucks, Stachel- oder Würgehalsbändern oder sogenannten "Erziehungsgeschirren" und gleichzeitig ein Plädoyer für Verständnis, Gelassenheit und Freundlichkeit im Umgang mit dem vierbeinigen Familienmitglied.
Clarissa
von Reinhardt, Martina Scholz: Calming Signals Workbook (animal learn
Verlag, ca. € 25,00)
Viele Hundebesitzer kennen mittlerweile die Beschwichtigungssignale der Hunde. Und so manch einem haben sich dadurch bereits Tore zur Hundewelt geöffnet: Erkennen zu können, wie sich der Hund fühlt und seine Sprache zu verstehen, kann dem Zusammenleben mit dem persönlichen Vierbeiner ganz neue Qualitäten verleihen. Hier kommt nun endlich der Praxis-Ratgeber, wie man sich das Wissen um die Beschwichtigungssignale im ganz normalen Alltag und im Training (auch und gerade bei "Problemverhalten") zunutze machen kann - um Konflikte gar nicht erst aufkommen zu lassen und dem Hund Sicherheit in für ihn schwierigen Situationen zu geben. Das Buch schaut dabei auch über den "Tellerrand" der Beschwichtigungssignale hinaus und regt insgesamt zu mehr Verständnis, mehr Nachdenken, genauerem Beobachten und gezielterem Handeln in Zusammenleben und Training mit dem Hund an.
Besonders erfreulich: Das Calming Signals Workbook dürfte im deutschsprachigen Raum das erste Buch sein, das das Handwerkszeug hochkarätiger und fortschrittlicher Trainer wie Turid Rugaas oder Sheila Harper in praxisorientierten, für jedermensch nachvollziehbaren Anleitungen zu Papier bringt. Gerade die Ausführungen und Übungen zur Änderung problematischer Verhaltensweisen bei Hund-Hund-Begegnungen machen das Buch besonders wertvoll. Das Calming Signals Workbook, das allein schon durch seine Gestaltung anspricht, ist lesenwert für alle Hundebesitzer, ganz besonders wertvoll für Menschen mit Hunden, die Probleme bei der Begegnung mit Artgenossen haben, und im Grunde Pflichtlektüre für alle, die die Grundlagen guten Hundetrainings an andere Menschen und ihre Vierbeiner als Trainer weiter vermitteln.
Achtung: Das Buch setzt die Kenntnis der Beschwichtigungssignale voraus - sie werden darin leider nicht noch einmal beschrieben. Als "Einstiegslektüre" empfiehlt sich deshalb Turid Rugaas' "Calming Signals. Die Beschwichtigungssignale der Hunde" (animal learn Verlag), außerdem finden Sie einen bebilderten Schnell-Einstieg in unserer Rubrik "Mehr Wissen".
(Eigentlich überhaupt k)ein
Spezialthema: Clickertraining
Eigentlich ist Clickertraining gar kein Spezialthema: "Clickertraining" bedeutet nichts anderes, als die Erkenntnisse des Lernverhaltens in die moderne Hunde-Ausbildung umzusetzen. Wer seinen Hund effektiv und gewaltfrei erziehen möchte und außerdem noch Lust auf eine Entdeckungsreise hat, die wahren Potenziale des eigenen Hundes heraus zu finden, der wird kaum am Clickertraining vorbei kommen. Auch die oben genannten fortschrittlichen Bücher rund um die Hundeerziehung bedienen sich deshalb vielfach des Clickers. Eine kleine Einführung gibt's übrigens bereits in unserer "Clicker-Welt" (dort finden Sie auch weiterführende Literaturtipps). Wer Clickertraining jedoch von der Pike auf lernen will, sollte sich ein wenig Grundlagen-Literatur zu Gemüte führen, z.B.:
Birgit Laser: Clickertraining (Cadmos Verlag, ca. € 11,00)
Ideal für Einsteiger: Birgit Laser gibt eine gut verständliche Einführung in die "operante Konditionierung auf Basis positiver Verstärkung" - so heißt das Clickertraining eigentlich. Tauchen Sie ein in die Welt des Hundeverhaltens – Sie werden fasziniert sein! Wer auf dieser allgemeinen Einführung aufbauend "mehr" will und vor allen Dingen den Clicker im praktischen Einsatz im Rahmen der Erziehung des Hundes zur Alltagstauglichkeit nutzen will, findet in dem ergänzenden Buch "Clickertraining für den Familienhund, ebenfalls von Birgit Laser, reichhaltige Anleitung.
Karen Pryor: Positiv verstärken, sanft erziehen. Die verblüffende Methode nicht nur für Hunde. (Kosmos Verlag, ca. € 17,00)
Wer sich mit Clickertraining beschäftigt und sich der Hunde-Ausbildung auf Basis positiver Bestärkung verschrieben hat, kommt nicht an diesem Grundlagenbuch vorbei, das im Grunde nicht nur ein Clicker-Buch und auch nicht nur ein Hunde-Buch ist! Karen Pryor formuliert es in ihrem Vorwort zum Buch selbst am treffendsten: "Dieses Buch handelt davon, wie man jeden - sei es Mensch oder Tier, jung oder alt, sich selbst oder andere - darin trainieren kann, etwas zu tun, was getan werden kann oder getan werden sollte... Bei all diesen Dingen bedienen wir uns den Prinzipien des Lernens durch Bestärkung. Diese Prinzipien sind Gesetze, so wie die Gesetze der Physik. So klar, wie ein herabfallender Apfel dem Gesetz der Schwerkraft unterliegt, so unterliegen alle Lern-Lehr-Simulationen diesen Prinzipien."
Training für den Hochleistungsbereich
Es gibt Hunde, die
vollbringen als Arbeitshunde Höchstleistungen und stellen ihre Fähigkeiten
komplett in den Dienst von uns Menschen: sei es in der Rettungshundearbeit bei
der Suche nach vermissten Menschen, beim Aufspüren von Sprengstoff oder beim
Erschnüffeln von Drogen. An das Training dieser Vierbeiner stellen sich ganz
besondere Anforderungen.
Anders Hallgren: Gute Arbeit! Über die Eignung und Motivation von Arbeitshunden (animal learn Verlag, ca. € 21,00)
Um Hundetraining für den Höchstleistungsbereich geht es in diesem Buch von Anders Hallgren. Anders Hallgren gilt als als Hundetrainer von Weltrang und hat langjährige Erfahrung in der Ausbildung professioneller Arbeitshunde. Dabei setzt er auf fortschrittliche, hunde- und menschenfreundliche Trainingsmethoden.
"Gute Arbeit!" behandelt vor allem folgende Fragestellungen:
Wie findet man den geeigneten Hund für den Leistungsbereich? Welches sind die Erfolgskriterien für ein gut eingespieltes Hund-Mensch-Team?
Welche Bestimmungsgrößen und Einflussfaktoren für den Trieb der Hunde gibt es? Wie wirken sich Aspekte wie Ausbildungsmethoden, Stress im Alltag, Haltungsbedingungen, Erfahrungen in der Welpenzeit oder Gesundheitszustand etc. auf die Intensität des Triebs / die Höhe des Energieniveaus der Hunde aus?
Wie müssen Training und Lebensbedinungen des Hundes aussehen, um einen hoch motivierten, zuverlässig arbeitenden vierbeinigen Partner zu erhalten? Wie kann die Motivation im Leistungstraining hochgehalten werden und wie schafft man es, einen Hund optimal auf den "Ernstfall" vorzubereiten?
Was und wie viel sollte jeden Tag trainiert werden?
Welche Probleme können bei der Arbeit und Ausbildung eines Mensch-Hund-Teams auftauchen, was sind ihre Ursachen und was kann man dagegen tun?
Welche Grundlagen rund um Lernpsychologie und Verhaltenskunde von Hunden sollte man kennen und wie wie schlagen sich diese im Leistungstraining nieder?
Das Buch enthält zwar auch grundlegende Tipps zu Trainingselementen, die für Arbeitshunde wichtig sind, ist aber weniger als konkretes Trainingshandbuch zu verstehen. Vielmehr ist "Gute Arbeit!" als Basislektüre anzusehen, die die Grundlagen für ein erfolgreiches Training im Leistungsbereich und für eine Optimierung der Arbeitsbereitschaft der vierbeinigen Hauptakteure überhaupt erst schafft.
Der Tenor des Buches:
Wer im Leistungsbereich - also dort, wo es im Zweifelsfall um Leben und Tod geht - optimale Leistungen erzielen will, muss komplett auf kontrollierendes, bestrafendes und übermäßig autoritäres Verhalten gegenüber seinem Hund verzichten. Hunde, die im Ernstfall unter extrem harten Bedingungen und in nervenaufreibenden Situationen arbeiten müssen, müssen zu souveränen und selbständig arbeitenden Partnern auf vier Pfoten erzogen weden, damit sie dieser Aufgabe gewachsen sind. Zum Kadavergehorsam gedrillte Hunde, die Angst haben müssen, Fehler zu machen, sind bereits gestresst, bevor sie mit der Arbeit beginnen und dadurch schnell überfordert. Eine Ausbildung, die auf Spiel und Spaß basiert und das eigenständige Arbeiten des Hundes fördert hingegen optimiert die Arbeitsbereitschaft und Leistungsfähigkeit des Hundes.
Unsere Meinung: Dieses Buch ist Pflichtlektüre für alle, die mit ihrem Hund im Hochleistungsbereich bereits aktiv sind, erst aktiv werden wollen oder als Ausbilder andere Menschen und Hunde betreuen. "Gute Arbeit!" bezieht sich zwar immer wieder auf die Zusammenarbeit mit Vierbeinern, die ihre Nase (beispielsweise als Flächen- oder Trümmersuchhunde, als Fährtensucher oder als Sprengstoff- oder Schimmelspürhunde) in den Dienst des Menschen stellen, ist aber unbedingt lohnenswerter Lesestoff für alle, deren Hunde in einem bestimmten Bereich (z.B. auch im Hundesport) Höchstleistungen vollbringen sollen.
Training für Trainer
Natürlich ist jedes gute Hundebuch auch empfehlenswerter Lesestoff für Hundetrainer. Seit kurzem können sich jedoch alle Menschen, die beruflich oder ehrenamtlich mit Hunden und ihren Zweibeinern arbeiten, über "Speziallektüre" freuen, die ganz sicher dazu beitragen kann, das Training weiter zu optimieren:
Maria
Hense, Christina Sondermann: Spiele für die Hundestunde: Mit Spaß und Erfolg zur
Alltagstauglichkeit (Cadmos Verlag, ca. € 30,00)
Also, Eigenlob stinkt bekanntlich. Trotzdem: Wir, Maria Hense und Christina Sondermann, haben dieses Buch geschrieben, um frischen Wind und neue Ideen in die Hundestunden zu bringen - ob in der Hundegruppe oder auch im Einzeltraining zuhause. Deshalb hier schlichtweg die "offiziellen Buchbeschreibung":
In jeder Hundestunde dasselbe Programm, bis alle es können? Sitz, Platz, Fuß und Co. als lästige Pflicht? Das geht auch anders! Jede Trainingseinheit kann abwechslungsreich und spannend für alle Beteiligten sein. Mit einer Vielzahl von Spielvorschlägen rund um die Übungen zur Alltagstauglichkeit sorgt dieses Buch für Spaß und Erfolg im Hundetraining: Es ist eine Ideenfundgrube für Hundetrainer und unterstützt sie bei der Gestaltung ihrer Stunden. Auch engagierte Hundebesitzer, die nach neuen Anregungen für ihr alltägliches Familienhund-Training suchen, kommen auf ihre Kosten.
Aus dem Inhalt:
- Ruhe macht schlau: Übungen für ein gutes Lernklima - Schau mal her: Aufmerksamkeit als Schlüssel zum Erfolg - Führungsqualitäten: Die Hand als Magnet - Vorsicht Tiefflieger: Wer kommt, gewinnt! - Immer schön locker: Leinenführigkeit in allen Lebenslagen - Harmonie zu zweit: Fußarbeit macht Spaß - Vom Pflichtprogramm zum Zeitvertreib: Sitz - Platz - Bleib - Hier geht's lang: Alltagstauglichkeit mit dem Folgesignal
Die vorgestellten Spielideen können auf dem Hundeplatz, auf dem Trainingsspaziergang, im Garten und teils sogar im Wohnzimmer gespielt werden. Es spielt meist keine Rolle, ob eine ganze Hundegruppe mit von der Partie ist, das Training gemeinsam mit einem befreundeten Hund-Mensch-Team stattfindet oder die Übungen im Einzeltraining absolviert werden. Für alle Übungsbereiche wird gezeigt, wie gleich von Beginn an spielerisch an die Sache herangegangen werden kann.
"Spiele für die Hundestunde" setzt zeitgemäße Erkenntnisse rund um Hundetraining und Hundeverhalten in die Praxis um. Es wird Wert auf eine ruhige, freundliche Übungsatmosphäre gelegt, in der nicht nur der Unterrichtsstoff besser hängen bleibt, sondern auch gutes Sozialverhalten gefördert wird.
Sabine
Winkler, Beate Pötting: Praxishandbuch für Hundetrainer (Kosmos Verlag,
ca. € 25,00)
Das "Gegenstück" zu "Spiele für die Hundestunde" heißt "Praxishandbuch für Hundetrainer" von Sabine Winkler und Beate Poetting. Während bei "Spiele für die Hundestunde" die praktischen Übungsanleitungen im Mittelpunkt stehen, geht es beim "Praxishandbuch für Hundetrainer" schwerpunktmäßig um Organisatorisches, Kommunikations- und Motivationstechniken sowie Didaktisches rund um das Hundetraining - also auch ganz wichtig für die erfolgreiche Arbeit mit Menschen und ihren Hunden. Wir finden: Ein unverzichtbares Arbeitsbuch für alle, die als Trainer arbeiten oder planen, es zu tun.
HUNDEPROBLEME?!
Hunde sind erstaunliche (Über-)Lebenskünstler. Obwohl wir Menschen es ihnen beileibe nicht immer leicht machen, kommen viele der Vierbeiner ohne größere Probleme durch das Leben - zumindest aus menschlicher Sicht. Es gibt aber Hunde, die besonders sensibel sind, denen vielleicht einmal Schlimmes von Menschen oder Artgenossen widerfahren ist oder bei denen einfach Fehler ihrer Menschen im alltäglichen Umgang mit ihnen dazu geführt haben, das ein Problem entsteht. Aggressives Verhalten gegenüber Artgenossen oder Menschen, Ängstlichkeit in allen Lebenslagen oder Trennungsangst im Speziellen sind nicht selten Grund dafür, dass das Zusammenleben zwischen Hund und Mensch zeitweilig in eine Krise geraten kann. Auch eigentliche ganz "natürliche" Verhaltensweisen unserer Vierbeiner wie z.B. das Jagdverhalten können so manch einen Hundebesitzer vor ganz schöne Herausforderungen stellen. Hilflosigkeit und Unwissenheit führen gerade in Bezug auf Problemverhalten nicht selten dazu, dass Gewalt ins Spiel kommt oder überkommene Dominanz-Konzepte als Erklärungs- und Behandlungsgrundlagen angewandt werden - vor allen Dingen, wenn es um aggressive Verhaltensweisen geht. Die hier vorgestellten Bücher setzen allesamt auf intelligente, gewaltfreie Problemlösungen. Sie vermitteln jede Menge aktuelles Wissen, konkrete Hilfestellungen - und vor allen Dingen auch Verständnis für die Verhaltensweisen und Probleme unserer vierbeinigen Hausgenossen.
"Hunde-Volkskrankheiten" und Problemverursacher: Stress und Rückenprobleme
Martina
Nagel, Clarissa von Reinhard: Stress bei Hunden (animal learn Verlag,
ca. € 19,00)
Fast jeder weiß mittlerweile, welche schädlichen Folgen ein Übermaß an Stress bei uns Menschen haben kann - und wie sich Stress auf unsere akute Befindlichkeit auswirken kann. Dass es den Hunden nicht anders geht, ist jedoch lange Zeit überhaupt nicht in Betracht gezogen worden. Dabei geraten fast alle Hunde mehr oder weniger häufig in Stress. Bloß merken wir Menschen das vielfach gar nicht und wundern uns nur, dass unser Hund so unruhig oder unkonzentriert ist, zu Erkrankungen oder Verletzungen neigt oder plötzlich aggressiv wird. Weil Stress bei einer Vielzahl von Hundeprobleme eine Rolle spielt, haben wir dieses Buch gleich an erster Stelle aufgeführt - und auch wer Hundeproblemen vorbeugen möchte, ist gut beraten damit, sich zum Thema "Stress" schlau zu machen. "Stress bei Hunden" informiert über die Ursachen und Folgen von Stress und erklärt, welche Symptome man an einem gestressten Hund beobachten kann. Die Autorinnen berichten anhand von Fallbeispielen, zu welchen Verhaltensauffälligkeiten und gesundheitlichen Problemen es kommen kann, wenn ein Hund überfordert ist, und wie man ihm hilft, sein inneres Gleichgewicht wieder zu finden. Prädikat: besitzt Pflichtlektüre-Qualitäten und ist dazu noch nett aufgemacht und gut zu lesen.
Anders
Hallgren: Rückenprobleme beim Hund
(animal learn Verlag, ca. € 8,00)
"Rückenprobleme" ist alles andere als eine trockene, mit Fachwörtern gespickte Abhandlung für medizinisch Interessierte oder für Hundebesitzer, deren Hund akut von Rückenproblemen geplagt wird. Ganz im Gegenteil: Dieses - ansprechend gestaltete und gut zu lesende - kleine Buch wird die Hundeszene hoffentlich genau so aufhorchen lassen wie die oben erwähnte Veröffentlichung "Stress bei Hunden". Beide Bücher liegen thematisch nahe beieinander: Sowohl Stress als auch Rückenprobleme sind im weitesten Sinne "Volkskrankheiten". Die meisten Menschen sind davon betroffen, viele Probleme haben ihre Ursache darin - und dennoch ist kaum jemand auf den Gedanken gekommen, dass dies nicht nur für Zweibeiner gilt... Höchste Zeit also, das Bewusstsein dafür zu wecken, dass auch Hundenacken äußerst empfindlich sind oder nicht nur Menschen ungenießbar sein können, wenn sie Kopfschmerzen haben. "Rückenprobleme beim Hund" stellt unter anderem die Ergebnisse einer Studie vor, die Andres Hallgren über mehrere Jahre zum Thema Rückenprobleme erstellt hat. Selbst ohne deren Ergebnisse (z.B. bezüglich des Zusammenhangs von Rückenproblemen und Aggressionsverhalten) wäre dieses Thema eine Veröffentlichung wert gewesen. Für Hundebesitzer und Hundetrainer liefert das Buch jede Menge Denkanstöße: Getreu dem Motto "Was du nicht willst, das man dir tu...." wird sicherlich so manch eine Leser ins Nachdenken geraten und das eine oder andere Detail im Zusammenleben und Training mit dem eigenen Hund überdenken. Dazu ist "Rückenprobleme" eine wertvolle Argumentationshilfe gegen jegliche "Hau-Ruck-Methoden" im Hundetraining.
Themenbereich Aggressionsverhalten
James
O'Heare: Das Aggressionsverhalten des Hundes. Ein Arbeitsbuch (animal
learn Verlag, ca. € 22,00)
Wow! Kein Hundetrainer, der Wert auf neues Wissen und fortschrittliche Trainings- und Therapiemethoden legt, kommt an diesem Standard-Werk vorbei. Und auch interessierten Hundebesitzern, deren Vierbeiner Aggressionsprobleme haben, sei das Buch ans Herz gelegt: sei es, um die Probleme des eigenen Hundes besser verstehen und behandeln zu können; sei es, um einen Beurteilungsmaßstab bei der Suche nach einem qualifizierten Verhaltensberater zu erhalten. Zugegeben: "Aggressionsverhalten des Hundes" ist an Informationsdichte kaum zu überbieten und nicht immer leichte Kost. Dennoch ist es insgesamt gut zu lesen, und wer am Ball bleibt, wird mit umfassendem Hintergrundwissen um die Entstehung, Vorbeugung und Behandlung von Aggressionsverhalten der unterschiedlichsten Ausprägungen belohnt - von Aggressionen aus Angst oder Wut, über Ressourcenverteidigung bis hin zu Aggressionen zwischen Hunden im gleichen Haushalt, gegen "fremde" Artgenossen oder gegen Menschen. Allein die Strategien zur Vorbeugung von Aggressionsverhalten, die insbesondere künftigen Welpenbesitzern mit auf den Weg gegeben werden, sind schon Grund genug für die Investition in das Buch mit dem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis (ca. 225 dicht beschriebene Seiten geballten Wissens für 22 Euro). Mehr als erfreulich: Sämtliche der vorgeschlagenen Behandlungsvorschläge sind absolut gewaltfrei - und anstelle veralteter Dominanzkonzepte setzt das Buch auf fundiertes Wissen. Unsere Empfehlung: Lassen Sie sich nicht ermutigen, wenn Sie einmal in einem Kapitel feststecken. Wohl kaum jemand, der all die Informationen auf Anhieb erfassen kann. Lesen Sie einfach weiter und picken Sie sich die Informationen heraus, die für Sie besonders wichtig sind. Werden Sie zum Experten: Ihrem eigenen Hund zuliebe oder für die Hunde Ihrer Kunden.

Jean Donaldson: Meins! Unerwünschtes Besitzverteidigungsverhalten bei Hunden erkennen und behandeln (Birgit Laser Verlag, ca. € 12,50)
Viele Hunde verteidigen auf aggressive Art Futter, Spielzeug, Liegeplätze oder andere „Besitztümer“ und stellen damit häufig ihre Halter vor Probleme. In diesem Buch geht es darum, wie man gegen Menschen gerichtetes Ressourcenverteidigungsverhalten bei Hunden erkennen und behandeln und dessen Entstehung vorbeugen kann. "Meins!" ist nicht von ungefähr im Jahr 2002 von der Dog Writers Association of America zum "Best Behaviour Book" ausgezeichnet worden: Für Hundetrainer, die häufiger mit schwierigen Fällen der Ressourcenverteidigung arbeiten, dürfte das Buch zu den unverzichtbaren Werkzeugen zählen. Es vermittelt solides Handwerkszeug zeitgemäßen Trainings und macht vor allen Dingen fit in der Technik von Konditionierung bzw. Gegenkonditionierung. Kaum ein Buch, das so detaillierte Schritt-für-Schritt-Trainingsplöne enthält (bezogen auf die Bereiche Verteidigung von Objekten, Futter, Orten sowie Verteidigungsverhalten im Zusammenhang mit Körperberührungen). Gearbeitet wird hauptsächlich über Desensibilisierung und Gegenkonditionierung (zur Erläuterung: Ziel ist es dabei, die Assoziation des Hundes zu ändern, vereinfacht gesagt weg von "Jemand nähert sich - Verteidigung!" hin zu "Jemand nähert sich - ich freue mich, da passiert ganz bestimmt gleich etwas Angenehmes!"), ergänzt um das Training von Alternativverhalten. "Meins!" ist dabei behaviouristisch orientiert: Statt Theorien aufzustellen, wo das Verteidigungsverhalten seinen Ursprung haben könnte, legt Jean Donaldson den Schwerpunkt ganz klar darauf, wie man dieses Verhalten wieder abtrainiert. Veraltete Dominanz-Konzepte, die gerade im Zusammenhang mit Ressourcenverteidigung häufig als Erklärungs- und Behandlungsansatz heran gezogen werden, haben hier keinen Platz. "Meins!" ist im Birgit Laser Verlag erschienen und ist ausschließlich direkt bestellbar über www.laserdogs.de
Themenbereich Angst
Nicole
Wilde: Der ängstliche Hund. Stress,Unsicherheiten und Angst wirkungsvoll
begegnen (Kynos Verlag, ca. € 20,00)
Das erste umfassende Arbeitsbuch in deutscher Sprache zum Thema "Angst" - mit jeder Menge Hintergrundwissen und nachvollziehbaren, umsetzbaren Trainingsanleitungen! Nicole Wilde beleuchtet zunächst Ursachen, Entstehung, Ausprägungen und Auswirkungen angstbedingten Verhaltens. Als Basis für die spätere Therapie schlägt sie ein ganzheitliches "Programm für eine solide Grundlage" vor. Ihre Philosophie: Nur ein physisch und psychisch gesunder Hund mit einem sicheren Zuhause als Rückzugsort ist später in der Lage, zu lernen und Selbstvertrauen aufzubauen. Dabei werden Tipps zur Gestaltung des Zuhauses, zur Ernährung, zur körperlichen und geistigen Betätigung und zur Führung und Ausbildung ängstlicher Hunde gegeben. Daran schließt sich das handwerkliche Rüstzeug an - mit konkreten Trainingsanleitungen und Therapieplänen für die Behandlung bestimmter Ängste: Gäste begrüßen, Angst vor einem Familienmitglied, Tierarztbesuche, Angst vor dem Auto, Angst vor der Hundebox, Angst vor Treppen, Gewitterangst, Geräuschempfindlichkeit, Bewegungsempfindlichkeit, Berührungsempfindlichkeit, Bürsten und Krallenschneiden, Angst vor Gegenständen, Angst vor der Leine sowie Trennungsangst werden jeweils in separaten Kapitel behandelt. Auch, wenn man über letzte Details sicherlich noch diskutieren kann (Beispielsweise die Verwendung eines Haltis oder die vorgeschlagene, mit maximal 2 m recht kurze Leinenlänge): Das Buch ist voller guter Ideen, basiert ausschließlich auf hundefreundlichen und "positiven" Trainingsmethoden. Ein "Muss" für Trainer und - da sehr kurzweilig und gut verständlich geschrieben - auch für engagierte "betroffene" Besitzer ängstlicher Hunde.
James
O'Heare: Trennungsangst beim Hund. Ein Arbeitsbuch. (animal learn
Verlag, ca. € 14,00)
Unglaublich, wie viel Wissen in einem kleinen Büchlein von rund 110 Seiten untergebracht werden kann. "Trennungsangst" von James O'Heare bietet eine Fülle von Informationen und viele neue Denkanstöße rund um die Entstehung, Diagnose, Vorbeugung und Behandlung von Trennungsangst. Es richtet sich gleichermaßen an Hundetrainer bzw. Verhaltensberater wie auch an "ganz normale" Hunde-Besitzer. Auf keinen Fall frustriert sein, wenn der Grundlagenteil für den Einsteiger nicht immer leichte Kost ist! O'Heare selbst empfiehlt seinen Lesern im Vorwort des Buches, sich im Zweifelsfall auf die praxisorientiertere zweite Hälfte zu konzentrieren, die auch ohne die "Basics" der ersten Seiten gut nachvollziehbar ist - und allemal schon die Anschaffung dieses Buches lohnt. Unser Tipp: Nicht abschrecken lassen von Fach-Begriffen in den Überschriften. Was sich dort trocken anhören mag, wird im Text meist gut verständlich und mit vielen praktischen Beispielen erklärt. Herausragend sind im Grundlagenteil die Ausführungen zu den Missverständnissen rund um vermeintliches "Protestpinkeln" und "schlechtes Gewissen" sowie zu den Nebenwirkungen von Strafen. Das Programm zur Reduzierung des Trennungsangst könnte ganzheitlicher und gleichzeitig praxisorientierter kaum ausfallen: Es zielt im erheblichen Maße darauf ab, eine sichere und stabile Umwelt für den Hund zu schaffen, seine Denkfähigkeit zu fördern und dadurch eine Hemmung der Emotionalität zu erreichen.
Themenbereich Jagdverhalten
Sie gehören zu den Hundebesitzern, die sich angesichts der Jagdleidenschaft ihrer Vierbeiner schon so manches Mal die Haare gerauft haben? Sie würden gerne mit Ihrem Hund daran arbeiten - und dabei ohne Zwang erfolgreich sein? Dann werden Sie sich über die beiden folgenden Bücher zum Thema sehr freuen:
Pia Gröning / Ariane Ullrich: Antijagdtraining. Wie man Hunde vom Jagen abhält (MenschHund! Verlag, ca. € 23,00)
"Antijagdtraining - Wie man Hunde vom Jagen abhält" ist ein Arbeitsbuch im wahrsten Sinne des Wortes: Denn wer gemeinsam mit seinem Hund etwas erreichen will, hat eine Menge Arbeit vor sich. Blitzlösungen gibt es nicht - auf Knopfdruck lässt sich die Jagdleidenschaft nicht abstellen. Die gute Nachricht: Das hier vorgestellte Training erfüllt alle Voraussetzungen, Hund und Mensch viel Spaß zu machen und beide Stück für Stück zu einem echten Team zusammen wachsen zu lassen: ein Team, das Freude an gemeinsamen Aktivitäten und Erfolgen hat, das Beisammensein genießt und in dem jeder den anderen versteht und respektiert.
Das Jagdproblem wird sehr vielschichtig angegangen. Dabei wird zunächst einmal ein Grundverständnis für den jagenden Vierbeiner geschaffen. Schließlich ist das Jagen keine "Unart", die sich der Hund aus Bösartigkeit einfallen lässt, sondern Teil des natürlichen Verhaltensrepertoires - eine Eigenschaft, auf die wir Menschen einen Teil der Hunde sogar gezielt gezüchtet haben. Martin Pietralla bringt es in seinem Vorwort auf den Punkt: "Akzeptieren Sie Ihren Hund als Hund, dann aber krempeln Sie die Ärmel hoch und machen das Beste daraus." Und genau dafür enthält das Buch jede Menge konkreter Anleitungen - in denen sich die drei wesentlichen Komponenten des AJT - wie die Autorinnen es nennen - wiederfinden:
das eigene Verhalten dem Hund gegenüber zu prüfen und ggf. zu verändern, z.B. zielgerichteter mit ihm spazieren gehen, dem Hund mehr Beschäftigung bieten und ihm beibringen, sich stärker am Besitzer zu orientieren,
dem Hund bestimmte Signale lehren, mit denen er führbarer und kontrollierbarer wird,
den Hund während des Trainings (durch Anlegen einer Schleppleine) absichern, damit eventuelle Jagderlebnisse nicht das Training zurück werfen.
Ob beispielsweise das Einfangen des Blickkontaktes mit dem Clicker, das Einüben eines "Superschlachtrufes" oder eines Umkehrsignals, das Herbeikommtraining unter Ablenkung oder die verschiedensten Übungen, bei denen der Hund lernt, das Gehirn zwischen Reiz und Reaktion einzusetzen und überlegter zu handeln: Alle Übungen bauen darauf, dass dem Hund Alternativen zur "Solojagd" geboten werden - ganz getreu dem Leitsatz des Buches: "Sie müssen wissen, was Ihr Hund tun soll. Es reicht nicht zu wissen, was Ihr Hund nicht tun soll". Besonders erfreulich sind die Anleitungen zum Schleppleinentraining, bei dem komplett darauf verzichtet wird, den Hund als Bestandteil des Trainings bewusst in die Leine laufen zu lassen oder an der Leine hinter sich her zu ziehen und eine sehr nüchterne und sachliche Abhandlung über Nachteile und Nebenwirkungen von Strafen im Anti-Jagd-Training sowie zum Einsatz von Stromreizgeräten. Trefflich darüber diskutieren ;-) lässt sich bei den Übungsanleitungen, ob tatsächlich das Training eines Abbruchssignales erforderlich ist - auch wer darauf verzichtet, wird sicherlich erfolgreich sein. Sehr hilfreich zur Organisation und Strukturierung des sehr umfangreichen und vielschichtigen Trainings sind verschiedene Tabellen und Vorlagen am Ende des Buches, wie z.B. Trainingspläne, Trainingstagebuch, Belohnungshitliste usw.
Alles in allem ein tolles, aber auch anspruchsvolles Buch, das hervorragende Anleitungen liefert und sich vor allen Dingen für Hundebesitzer mit einer gewissen Trainingserfahrung und der Bereitschaft zum intensiven Training eignet. Für Hundetrainer ist es Pflichtlektüre und Ideenfundgrube zugleich.
Clarissa
von Reinhardt: Das unerwünschte Jagdverhalten des Hundes (animal learn
Verlag, ca. € 25,00)
Und gleich noch mehr Lesestoff zum Thema, das so viele Hundebesitzer betrifft: Gewaltfreies, hundefreundliches Antijagdtraining steht auch im Mittelpunkt des neuesten Buches von Clarissa von Reinhardt. Die im animal learn Verlag übliche ansprechende Gestaltung und reiche Bebilderung wird auch hier so manchen Lesemuffel zum Bücherwurm werden lassen. Das Buch macht Lust darauf, mit dem jagdbegeisterten Hund ganz neue Wege einzuschlagen. Es eignet sich ganz besonders gut auch für Trainings-Neulinge.
UND SONST? WEITERE GUTE HUNDEBÜCHER
Mirjam Cordt: Hundereich (animal learn Verlag, ca. € 22,00)
Dem Untertitel nach ist „Hundereich“ ein „Arbeitsbuch zur Integration von Hunden aus dem Tierschutz“ – und tatsächlich ist es entstanden aus den langjährigen Erfahrungen von Mirjam Cordt, angeblich unvermittelbare, nicht resozialisierbare, teils schwersttraumatisierte Hunde bei sich aufzunehmen und in ihre Hundegruppe zu integrieren – ihnen ein „Hundereich“ zu schaffen. Herausgekommen ist jedoch ein fantastischer, gleichermaßen fachkundiger und warmheriger Ratgeber rund um die Mehrhundehaltung. Jeder Hundebesitzer, der überlegt, seinen Hundehaushalt noch um ein weiteres hündisches Familienmitglied zu bereichern, ist gut beraten, sich dieses Buch zu Gemüte zu führen – auch, wenn der Neuzuwachs im Zwei- oder Mehrhundehaushalt ein Welpe vom Züchter ist.
Das Buch setzt bereits bei den ersten Überlegungen zur Aufnahme eines weiteren Hundes an: Was kommt auf mich im Mehrhundehaushalt zu? Was spricht dafür, was könnte dagegen sprechen? Wie leben Hunde überhaupt zusammen – und wie finde ich die passende Konstellation für meine Hundegruppe (Rüde, Hündin, kastriert – unkastriert, jung – alt,…) Ist die Entscheidung für einen weiteren Vierbeiner gefallen und steht der Einzug bevor, so gibt Mirjam Cordt wertvolle Ratschläge, wie sich die Hunde in einem möglichst spannungsarmen, stressfreien und positiv gestalteten Umfeld kennen lernen können und wie von Anfang an potenzielle Konflikte und Aggressionen erkannt und vermieden werden können.
Alles in allem stellt das Buch eine umfassende „Werkzeugkiste“ zur Verfügung, aus der man sich bei der Integration eines neuen Hundes beliebig bedienen kann. Auch, wenn das breite Repertoire an Tipps und Möglichkeiten bei den meisten Familienzusammenführungen mit Sicherheit gar nicht ausgeschöpft werden muss: Die zusammenzuführenden Vierbeiner werden allesamt davon profitieren, wenn ihre Menschen das Wissen dieses Buches verinnerlichen.
Übrigens: Als
Nebenwirkung beim Lesen dieses Buches wird nicht ausgeschlossen, dass gleich
eine ganz neue, bereichernde Sichtweise zu einem respektvollen, liebevollen
Umgang mit dem Hund mitvermittelt wird.
Sabine
Neumann: TierHEIM. Schicksal oder Chance?!
(animal learn Verlag, ca. € 32,00)
Rund 300.000 Hunde pro Jahr teilen allein in Deutschland das Schicksal eines Tierheim-Aufenthaltes. Ihnen die Zeit dort so angenehm wie möglich zu machen und sie schließlich gut zu vermitteln, ist das Anliegen der vielen angestellten und ehrenamtlichen Mitarbeiter und Helfer der Tierheime und Tierschutzvereine - und steht auch im Mittelpunkt dieses Buches. "Tierheim. Schicksal oder Chance?!" liefert Hintergrundwissen, Denkanstöße und Anregungen zu Verbesserung von Haltungsbedingungen und Wohlbefinden der Tierheim-Insassen. Angesprochen werden u.a. die Gestaltung der Unterbringung, die Reduktion von Stress, Möglichkeiten zur mentalen Stimulation und Beschäftigung der Hunde, die qualitätsvolle Gestaltung der Spaziergänge und die Schulung von Gassigehern, aber auch Tipps zur Beratung von Interessenten und künftigen Besitzern im Rahmen der Vermittlung. Das schöne an dem leicht lesbaren und ansprechend gestalteten Buch: Viele der vorgeschlagenen Maßnahmen sind mit verhältnismäßig geringem Aufwand - auch ohne aufwändige Umbau- und Umstrukturierungsmaßnahmen oder großen Kostenaufwand - umsetzbar. Wer sich im Tierheim engagiert, sollte dieses Buch gelesen haben. Auch engagierte Hundebesitzer, die einen Tierheim-Hund aufnehmen und besser verstehen möchten, finden darin viele Hintergrundinformationen.
DIE GRUNDAUSSTATTUNG: DAS RUNDUM-SORGLOS-PAKET
Sie steigen gerade erst ein in die Welt der guten Hundebücher? Klar, dass Sie sich nicht gleich eine ganze Bibliothek zusammenstellen wollen. Wir haben Ihnen aus der mittlerweile recht lang gewordenen Liste zeitgemäßer Hunde-Literatur eine kleine Auswahl zusammengestellt, mit der Sie sich quasi als "Grundausstattung" einen guten Einblick in den aktuellen Stand von Hundeverhalten und -erziehung verschaffen können - und eine gute Basis für ein harmonisches Zusammenleben mit Ihrem Vierbeiner legen können. Die ausführlichen Buchbeschreibungen finden Sie weiter oben:
Christiane Blenski: Hunde erziehen, ganz entspannt
als Anleitung zur Grunderziehung Ihres Vierbeiners, in der Sie auch eine Menge
über sein (Lern)Verhalten lernen können
Sarah
Whitehead: Das Hundebuch für Kids,
wenn Kinder in Ihrem Haushalt leben, die Spaß daran haben, Ihren Hund noch
besser zu verstehen
Turid Rugaas: Calming Signals. Die Beschwichtigungssignale der Hunde,
damit Sie künftig die Hundesprache noch besser verstehen und sprechen können
Viviane Theby "Verstehe deinen Hund. Kommunikationstraining für Hundefreunde",
damit Sie sich Ihrem Hund gerade beim gemeinsamen Training gut verständlich
machen und sein Verhalten verstehen können - für ein optimales Kommunikations-
und Lernklima
Barry Eaton: Dominanz. Tatsache oder fixe Idee, da Rangordnungs- und Dominanzgespenste nach wie vor in der Hundewelt unterwegs sind und Sie durch dieses kleine preiswerte Heftchen bestens gegen Verunsicherungen durch so manch einen vermeintlichen "Hundeexperten" gewappnet sind.
AUF DER SUCHE NACH NEUEM: WIE ÜBERHAUPT DAS GUTE BUCH ERKENNEN?
Wie schon gesagt: Die Auswahl an Hundebüchern ist groß - und groß ist leider auch noch die Anzahl der Bücher, die nicht mehr dem neusten Kenntnisstand entsprechen. Das gilt übrigens für alle Bereiche - sei es Hundeverhalten, Hundeerziehung, Hundesport und -beschäftigung oder Rassekunde. Wie aber nun die Spreu vom Weizen trennen? Und wie das ganz auf die Schnelle tun? Nehmen wir an, wir stehen in der Buchhandlung vor einem Regal voller Hunde-Literatur. Da bleibt kaum Zeit, ein Buch auf Herz und Nieren zu überprüfen. Aber: Es gibt ein paar Themenbereiche, die sich besonders gut für einen Schnell-Check eignen. So paradox es auch klingen mag: Dies funktioniert am einfachsten anhand der Dinge, die in einem guten Buch NICHT erscheinen sollten:
Tauchen
die Begriffe rund um "Rudelführerschaft", "Rangordnung" und "Dominanz" häufig in
Texten und Überschriften auf? Wird häufig darauf hingewiesen, dass Grundlage
allen Zusammenlebens ist, dass der Hund Sie als "Rudelführer" anerkennt?
(Hintergrund: Heute geht man davon aus, dass Hund und Mensch keine Rangordnung
untereinander bilden und dass selbst Hunde untereinander keine starren
"Rudelstrukturen" entwickeln)
Werden
Wolfs- und Hundeverhalten bunt miteinander vermischt?
(Hintergrund: Unsere Hunde sind zwar verwandt mit den Wölfen, aber beide haben
sich längst auseinanderentwickelt. Wir Menschen würden schließlich auch nicht
auf die Idee kommen, unser Verhalten ständig mit dem von Schimpansen zu
vergleichen...)
Welche
Strategien werden gegen Problemverhalten und unerwünschte Verhaltensweisen
angewandt? Was wird getan, wenn Übungen nicht klappen? Wird mit Strafreizen
gearbeitet? Werden "Rangordnungsmaßnahmen" empfohlen?
(Hintergrund: Man weiß mittlerweile, dass sich unerwünschtes Verhalten durch den
Einsatz von Strafreizen in den meisten Fällen bestenfalls unterdrücken lässt.
Häufig findet jedoch sogar eine Verschlimmerung statt bzw. es treten
Nebenwirkungen psychischer oder physischer Art auf, die kaum kalkulierbar sind.
Eine Vielzahl von Problemen als "Rangordnungsprobleme" zu bezeichnen und
entsprechende "Rangordnungsmaßnahmen" zu empfehlen, entspricht nicht mehr dem
aktuellen Kenntnisstand, s.o.)
Bei
Büchern, die sich mit dem Training der Alltagstauglichkeit befassen, ist häufig
das Kapitel zur Leinenführigkeit ein guter Ansatzpunkt: Wird der Leinenruck als
Mittel zum Zweck vorgeschlagen? Wird gar der Einsatz von Zug-, Würge- oder
Stachelhalsbändern empfohlen?
(allgemeiner Hintergrund bezüglich Strafreizen s.o. Speziell zum Leinenruck, der
früher gängiges Mittel in der Hundeerziehung war: Heute weiß man, dass Hals,
Nackenbereich und Kehlkopf des Hundes ähnlich empfindlich sind wie die des
Menschen. Genau wie wir können unsere Hunde an Verspannungen, Kopf- und
Rückenschmerzen leiden. Was Leinenrucks und Zug am Hals hier anrichten können,
mag sich jeder selbst vorstellen.)
Wenn Sie das Gefühl haben, eine oder mehrere dieser Fragen eindeutig mit "Ja" beantworten zu können, dann tun Sie sich und Ihrem Hund wahrscheinlich einen Gefallen damit, das gerade aufgeschlagene Buch wieder aus der Hand zu legen und noch ein wenig weiter zu suchen, denn diese Bücher spiegeln nicht den aktuellen Wissensstand rund um Hundeverhalten und Hundetraining wieder.
Wir wünschen viel Spaß beim Stöbern und Lesen!

©
Christina Sondermann 2000 - 2008
Kontakt: christina@spass-mit-hund.de