Clicker-Training im Trend - eine Mogelpackung!?

ein Leserbrief von Dorothee Schneider,

veröffentlicht in der Rubrik "Meinungen" der Zeitschrift "dhv-hundesport", dem offiziellen Organ des deutschen Hundesportverbandes e.V., Ausgabe August 4/2002

Die Methoden der Hundeausbildung sind in jüngster Zeit verstärkt im Wandel, Clickertraining ist immer mehr im Kommen.  Doch Trends haben leider auch ihre Schattenseiten. Mittlerweile clickt und clackert es auf immer mehr Hundeplätzen und Ausbilder, die etwas auf sich halten, haben ihren Clicker dekorativ an der Tasche hängen.  Doch ist da wirklich überall Clickertraining drin, wo Clickertraining draufsteht?  Macht ein Knackfrosch in der Hand den Clickertrainer aus?  Vorsicht, Mogelpackung!

Es reicht beileibe nicht aus, einfach zu clicken, wenn der Hund eine Übung gut ausgeführt hat. Jetzt clicken und später am Halsband ziehen, zunächst den Hund zu ignorieren und beim nächsten Mal ein unerwünschtes Verhalten durch aversive (=unangenehme) Reize zu unterdrücken,  oder den Hund stets mit einem Spielzeug /Leckerchen in die gewünschte Position zu führen, das passt nicht zusammen – und ist schon gar kein Clickertraining. 

Clickertraining ist ein sehr systematisch aufgebautes Lernsystem. Werden einige Bausteine ausgelassen oder gegen konventionelle Maßnahmen ausgetauscht, dann entsteht eine Lücke im System, die den Hund verwirrt und seine Eigenaktivität beeinträchtigt. Deswegen wird vor einem Mischen der Methoden immer wieder ausdrücklich gewarnt. Echtes Clickertraining verzichtet gänzlich auf ein Locken des Hundes mit der Futterhand, auf Korrekturen und alle Einwirkungen auf den Hund inklusive einer Bestrafung – nicht nur manchmal, sondern immer.

Dies wiederum setzt umfassende Kenntnisse der Lernpsychologie und viel praktische Erfahrung mit Hunden voraus, ebenso eine gehörige Portion Selbstdisziplin und Geduld. Die eigenen Emotionen, oder Kritik von Außenstehenden, dürfen den Clickertrainer nicht dazu veranlassen, bei Ausbildungsproblemen doch wieder ins alte Fahrwasser abzudriften.

Die Grundlagen der Verhaltensformung (Shaping) zu kennen und konsequent anzuwenden, das ist echtes Clickertraining. Das Arbeiten über verschiedene Bestärkungsschemata  und sorgfältiges Generalisieren der Übungen auf immer schwierigere Umweltbedingungen, das macht einen guten Clickertrainer aus.

Völlig gewaltlos und trotzdem sehr klar die Führungsrolle im Mensch-Hund-Team auszuüben, das ist die schöne Seite des neuen Trends – und keine Mogelpackung.

CLICKEr-TRAINING UND LEISTUNGSSPORT

- ALLES ANDERE ALS EIN WIDERSPRUCH!

Dorothee Schneider im Portrait

Zu meiner Person: Geboren 1968, verheiratet, eine Tochter (6 Jahre). Schon als Kind war ich mit meinem Vater, der Hundesportler war, immer mit am Hundeplatz dabei, schlief nachts bevorzugt im Korb unserer damaligen DSH-Hündin Senta ;-) Als Teenager bekam ich dann den ersten eigenen Hund, einen Mischling aus dem Tierheim.

Mit ihr und allen weiteren Hunden (mehrere Dt. Schäferhunde, Rottweiler, Airedale-Terrier) betrieb
ich begeistert Schutz- und Fährtenhundesport - nach konventioneller Methode, also über Trieb-Einwirkung-Trieb - wie es halt früher gang und gäbe war - und nahm an Prüfungen teil.

Nachdem ich in verschiedene Vereine reingeschnuppert hatte, fand ich 1987 - glücklicherweise - endlich "meinen" Verein: Den HSV Bauschlott, Mitglied im swhv, nahe Pforzheim gelegen. Dort hoben sich damals die Ausbildungsmethoden positiv von meinen bisherigen Hundeplatz-Erfahrungen ab. Der Übungsleiter machte sich viele Gedanken um Hund und Hundeführer, war sehr erfahren und trotzdem Neuem aufgeschlossen, es waren mehrere erfahrene und engagierte Schutzdiensthelfer vorhanden.

1988 bekam ich meinen DSH-Rüden Odin vom Stettener Tal, mit ihm nahm ich zwischen 1991 und 1994 viermal an swhv-SchH-Siegerprüfungen, dreimal an dhv-SchH-DMs und auch an der swhv-Fährtenhundsiegerprüfung erfolgreich teil, mit Odin habe ich über 40 SchH/FH-Prüfungen abgelegt.

Als Odin zehn Jahre alt war hatte ich das Glück, durch Martin Pietralla das Clickertraining kennenzulernen. Ich war anfangs sehr skeptisch, konnte nicht recht glauben, dass eine Ausbildung ohne Einwirkungen, ohne Strafe, funktionieren könne. Aber ich war auch neugierig und begann zu experimentieren. Odin war begeistert und arbeitete trotz seines hohen Alters und seiner konventionellen Ausbildung prima mit. Wir hatten zu dieser Zeit auch einen Malinois-Rüden, der zwar eine schöne Unterordnung absolvierte, aber beim Apport noch schneller zurückkommen sollte. Dies versuchte ich mit dem Clickertraining zu optimieren, es klappte!

Ab diesem Zeitpunkt begann ich immer mehr, gerade auch mit schwierigen Hunden verschiedenster Rasse zu clickern und war über die meist raschen Erfolge verblüfft. In unserer Region kannte ich damals keine weiteren Clickertrainer (es gab wohl auch keine) und deswegen war mir der laufende Kontakt zu Martin Pietralla eine große Hilfe.

Bis 2003 habe ich eine Clickergruppe sowie eine Obedience-Clickergruppe beim HSV Bauschlott geleitet. Viele der aktiven Hundeführer clickerten. Mittlerweile bin ich vereinsunabhängig aktiv, trainiere in kleinem privaten Kreis und halte und organisiere Clicker-Seminare für Vereine und private Gruppen.

Im Herbst 2000 bekam ich meinen neuen DSH-Welpen Ismo vom Stettener Tal, er ist ein reiner Clickerhund, kennt keinen Leinenruck oder andere negative Einwirkungen. Den ersten Click seines Lebens hörte er im Alter von 4 Wochen, als er gerade bei seiner Mama saugte :-), konditioniert wurde er mit 9 Wochen. Im Alter von 14 Wochen unterschied er Sitz-Platz-Steh recht zuverlässig und führte es auf Handzeichen aus, die Fussarbeit begann ich mit 6 Monaten, Apportieren mit 9 Monaten. Nun mit zwei Jahren beherrscht Ismo die Übungen für Begleithundprüfung und Obedience-Beginner-Klasse, außerdem Elemente aus Dogdancing und einige Kunststückchen. Er ist ein sehr freundlicher, ausgeglichener Rüde, kann sich gut konzentrieren, lernt und arbeitet mit Begeisterung.

Ich habe nach so vielen Jahren konventioneller Ausbildungsmethoden nun durch Clickertraining einen ganz neuen Zugang zum Hund gefunden, dafür bin ich unendlich dankbar. Ich hoffe, dass sich Clickertraining möglichst bald flächendeckend in den Hundevereinen - besonders auch in den Schutzhundvereinen (VPG) - etablieren wird.

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© Dorothee Schneider 2002